Review

„X“ Gonna Give It To You!


Mit „X“ verbindet bekennender Genrenerd Ti West Sex mit Gewalt, Porno mit Horror, Retro mit der ganz persönlichen Zukunft, das Filmemachen mit dem brachial gescheiterten American Dream, das Altern mit dem (oft verdrängten) Schrecken, den es mit sich bringt. Kann der Kultregisseur (?) mit diesem grieseligen Throwback an seine bisher unerreichte Glanztat „House of the Devil“ anknüpfen? Erzählt wird jedenfalls von einer mehr oder minder motivierten Filmcrew Ende der 70er und ihrem ländlichen Dreh des womöglich/wenn es nach ihren Träumen geht nächsten großen Pornoding a la „Deep Throat“. Doch schnell gerät das bunte Treiben zu einem Albtraum aus Schweiß, Falten, Blut und Tränen…

„X“ ist ein simpler Slasher - zumindest gemessen an seiner obersten Schicht. Harte Spitzen, gruselige Rentnerkiller, viele Nods zu Klassikern. Vom Kettensägenmassaker bis zu Jasons Gezische auf der Tonspur, von Fulcis Nagel bis zu Kubricks Tür. Dreckig und düster, sexy und siffig, ernst und doch in den richtigen Momenten dezent augenzwinkernd, knackig und flott (trotz äußerst unblutiger erster Hälfte). Leichte „Suburban Gothic“-Vibes. Witziges Gepoppe. Atmosphärisch und allerliebst. Soundtrack zum Niederknien. Zeitgeist getroffen. Guckt man dann jedoch noch genauer hin und etwas hinter die stylische Fassade, kommen schnell sehr viele Gedanken(anstösse) zum wechselseitigen Thema Alter und Sex, Attraktivität und Frust, Enthaltsamkeit und Lust, Jugend und Tod. Muss nicht, aber kann. Und nimmt man gerne als Bonus. Wo A24 dran steht, muss ja zumindest etwas A24 drin sein. Insgesamt bin ich jedenfalls sehr zufrieden mit „X“. Selbst wenn er nicht ganz an „House of the Devil“ reicht. Aber das ist auch einer meiner absoluten Lieblinge und eine hohe Messlatte. An „X“ würde ich jedenfalls genüsslich im TV zur späten Stunde hängen bleiben - oder wäre das zumindest vor 20 Jahren, als man noch Fernsehen geguckt hat…
 
Fazit: genauso intelligenter wie intimer, ekliger wie erogener Slasher, der alte und neue Schule exzellent verbindet. Bahnhofskino von heute. Gewollt, gekonnt und durchdacht trashig. „Direkt-in-den-Schrank-stell-Soundtrack“. Bezaubernde Ladies. Tiefergehende Gedanken. Brutale, rigorose Gewalteruptionen. Sogar Krokoaction. Wat willste mehr?! Ti Wests Rechnung und Talent gehen hier vollkommen auf. Der Mann macht zu wenig! 

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