Review
von Leimbacher-Mario
Glück schlägt in's Auge des Betrachters
Mit den zwei Bangern „The Gentlemen“ und „Wrath of Man“ schien Guy Ritchie weg von Disneyblockbustern wieder locker in die Spur gekommen zu sein. Und grundsätzlich folgt er dieser Route mit dem neuen „Operation Fortune“ weiter. Und dennoch ist diese Art Mission: Ziemlich-possible für mich sein schwächster Film seit dem zweiten „Sherlock Holmes“. Was nicht heißt, dass ich die augenzwinkernde Agentenhatz grausam finde. Nein, sie hat ihre Momente, von Grant bis Hartnett, von seiner gewohnt gewieften Schreibe bis zu etlichen sonnigen Schauplätzen rund um den Globus. Und dennoch wirkte es für mich leider die meiste Zeit wie eine monotone Masse mit viel zu wenig Höhepunkten oder Dingen, die hängen bleiben… Story: Jason Statham führt ein Team von MI6-Agenten an die Machenschaften und Waffengeschäfte eines exzentrischen Milliardärs aufzudecken und zu stoppen. Doch dabei kommen ihm nicht nur Kollegen aus den eigenen Reihen in die Quere, sondern es geht auch noch eine Menge schief durch einen engagierten Hollywoodstar, der zwar oft vor Angst fast in die Hose macht, aber irgendwie sich selbst spielen muss, da der gefährliche Oligarch sein größter Fan ist…
„Operation Fortune“ tritt für mich leider nie genug auf's Gas, um ihn wirklich zu empfehlen. Statham ist in seinem Element, darf sich aber nur sehr begrenzt austoben. Die vielen Städte von Doha bis Antalya werden meist alle nur angeschnitten und nie allzu hübsch ausgespielt. Aubrey Plaza hat grundsätzlich mein Herz und ist charmant, verspielt, quirlig wie eh und je, bleibt hier jedoch eher Beiwerk. Die Action und Fights sind sowohl in Quantität als auch Qualität und Härte durch die Bank unterwältigend. Ritchies Schreibstil kennt und mag man - aber neue Höhen werden hier mit Sicherheit nicht erreicht. Gehobene Stangenware. Überraschungen gibt’s nicht. Score und Soundtrack wirken retortig. Nur bei Hugh Grant gibt’s keine Kehrseite. Er weiß genau, wo er mitmacht und was er mittlerweile kann. Für satte zwei Stunden passiert hier aber auch einfach zu wenig und alles bleibt ein zartes, hauchdünnes Pflänzchen aus MacGuffins, Budgetlimitierungen und gewohnten Ritchie'isms. Da waren seine letzten beiden Werke wirklich andere Kaliber. Auch „Codename: Uncle“ hatte mehr Wumms in jeglicher Beziehung. Und von einem „Snatch“ fangen wir besser gar nicht an. Aber nochmal, da sich diese Kritik vielleicht negativer anhört als sie es muss: für einen verregneten Sonntagnachmittag reicht’s!
Fazit: egal ob als Agentensatire, Guy Ritchie-Werk oder Statham-Nummer - „Operation Fortune“ fährt leider überall nur auf Sparflamme. Er tut zwar nie weh und Hugh Grant ist köstlich. Aber ansonsten ist das leider selbst ohne hohe Erwartungen Magerkost und für mich ein klarer DTV-Titel. Und selbst da hätten ihm in jedem Jahr der späten 80er dutzende Titel alt aussehen lassen.