Review

Peinlich, dass sich Mr. Crichton Mitte der 90er, nach dem der Dinoboom dank „Jurassic Park“ ausgebrochen war, dazu entschied, sich für diesen Affenzirkus selbst zu beklauen. „Congo“ besitzt essentiell viele Elemente des Dinoknüllers, bewegt sich dramaturgisch aber auf einem ganzen anderen Niveau und wurde letztlich von Frank Marshall, der lieber beim produzieren bleiben sollte, völlig in den Sand gesetzt. Na ja, nicht völlig denn trotz des vorprogrammierten Flops strömten einige, noch von Steven Spielberg geblendet, ein weiteres Mal ins Kino, um in den Dschungel abzutauchen.

Wo die Vorlage schon Humbug ist, kann vielleicht noch die Inszenierung noch was retten, aber Pustekuchen ist. „Congo“ entpuppt sich schnurstracks als Langweiler der obersten Güteklassen nach altbewährten Mainstreamrezept. Da wird zu Beginn zu aller erst gehörig auf den Knuddelfaktor gesetzt und mit Witzen um sich geworfen, als solle das hier eine Komödie werden. Immerhin der Affe „Amy“, der dank Gebärdensprache mit Menschen kommunizieren kann, ist ein nettes Gimmick, das den technischen Fortschritt in solchen Belangen, für damalige Zeiten verdeutlicht. Aber mehr ist auch nicht, denn das Äffchen soll in den Urwald zurück. Heimweh heißt das Stichwort, dass einen bös’ peinlichen Tim Curry als Herkermer Homolka auf den Plan ruft. Einen reichen Finanzier mit listigen Hintergedanken, der dort nach einem Diamantenschatz König Salomons sucht, welchen Amy mehrmals gezeichnet hat.

Teil 1 der Dschungelexpedition steht fest. Teil 2 setzt sich Dr. Karen Ross (Laura Linney) zusammen, die zufällig ins gleiche Gebiet will, um dort nach ihrem verschollenen Freund (Bruce Campbell) zu suchen. Im Auftrag eines Kommunikationsmoguls tritt sie zusammen mit jener „Affentruppe“ die Reise an. Die schon bald auftretenden Probleme wirken mehr erzwungen, als zufällig - absichtlich eingeplant, wie vorhersehbar. Da muss Dr. Ross erstmal das Benzin für das Flugzeug zahlen, weil Herrn Homolkas Kasse gerade eingefroren ist. In Kongo angekommen, wird der Flugplatz erstmal von Rebellen attackiert, was zwar keinen weiteren Einfluss hat, uns jedoch eine nette Explosion zeigt. Aus einem später abgeschossenen Flugzeug wird sich Sekunden vor dessen Explosion gerettet etc. etc..

Einen bemitleidenswerten Eindruck hinterlässt die gesamte Riege, welche die Hauptrollen bekleidet. Mag vielleicht daran liegen, dass sich mehrere Figuren nah an den Charaktere in „Jurassic Park“ orientieren, liegt auf der anderen Seite jedoch auch, an ihren Rollen aus der Retorte. Ernie Hudson gibt den schwarzen Jäger, der den Dschungel wie seine Westentasche kennt, sich vor nichts erschreckt, alle Kniffe kennt und trotzdem vor einem Affen flüchtet. Dylan Walsh als Affenexperte bleibt ein Wuschelkopf im Dschungel, der gar kein Profil gewinnt und für die peinlichen Momente Marke „Blutegel am Schwanz“ verantwortlich ist. Laura Linney erinnert mich an ein schlechtes Plagiat von Jodie Foster, dass am Ende zwar eifrig den Affen einheizen darf, ansonsten allerdings schauspielerisch nichts zu bieten hat. Merkwürdig, dass die kleinen Minirollen von Delroy Lindo (als Warlord), Bruce Campbell, Peter Jason und Joe Pantoliano die einzigen sind, die bleibenden Eindruck hinterlassen.

Während Jerry Goldsmiths Komposition ein Sturm im Wasserglas ist und die Expedition ein paar unwesentliche Konfrontationen mit dem Dschungel hinter sich bringen muss, gehen meist ein paar schwarze Gepäckträger bei drauf, die das Script für genau solche Probleme hinein geschrieben hat. Vor dem Schuss in den Ofen bewahrt „Congo“ nur das Ende, der finale Konflikt – versehen mit Vulkanausbruch als Bonus. Killeraffen jagen los, das Camp wird des Nachts attackiert, später wird der Laser ausgepackt und munter geröstet. Nach Sinn und Zweck wird hier dann schon nicht mehr großartig gefragt, so dass eigentlich Dankbarkeit für ein bisschen Action angesagt ist – als Adrenalinjunkie soll man zumindest dort auf seine Kosten kommen.

Fazit:
Im Endeffekt ist „Congo“ aber eine einzige Katastrophe, die vor Fehlern und Missgriffen nur so strotzt. Der Plot erzwingt so unglaublich viele Situationen und spannende Momente, dass man kaum glauben mag, dass dieses Buch von Michael Crichton stammt. Da werden Klischees im Minutentakt ausgepackt, die irrwitzigsten Science-Fiction-Ideen aus der Kiste geholt und Ungereimtheiten aufgetürmt, während die Schauspieler sich dabei selbst unterbieten. Wären, angesichts der inspirationslosen, lahmen Inszenierung, nicht zumindest ein paar gute Effekte, die den Film etwas aufpeppen, wäre sicher noch weniger drin gewesen. Was für ein Nonsens…

Details
Ähnliche Filme