„Congo“ ist eine weitere Michael Crichton Verfilmung, die ihre Entstehung in erster Linie dem „Jurassic Park“ Erfolg verdankt.
Charles Travis (Bruce Campbell) stellt für TraviCom, die Telekommunikationsfirma seines Vaters R.B. (Joe Don Baker), Nachforschungen im Herzen Afrikas an. Doch als sein Vater und seine Verlobte Karen Ross (Laura Linney), die ebenfalls als Expertin in der Firma arbeitet, die neuste Videoübertragung zu Charles' Camp abfragen, sehen sie nur Leichen und ein seltsames Wesen, welches die Kamera zerstört. Damit ist der Auftakt schon mal recht temporeich und atmosphärisch, was über die Klischeecharaktere wegtröstet.
Der Uniprofessor Peter Elliot (Dylan Walsh) und sein Kumpel Richard (Grant Heslov) haben der Gorilladame Amy das Sprechen via Zeichensprache beigebracht, doch nun wollen sie das Tier in die Wildnis entlassen; eine Expedition, die ihnen der seltsame Rumäne Herkermer Homolka (Tim Curry) finanzieren will. Auch Karen schließt sich der Truppe an, um ihren Verlobten zu suchen. Damit bringt der Film relativ zügig seine bunt zusammengewürfelte Truppe verschiedener Figuren zusammen.
In Afrika werden sie direkt von ihrem windigen Führer Monroe Kelly (Ernie Hudson) und dessen Geschäftspartner Eddie Ventro (Joe Pantoliano) in Empfang genommen, die sie zu ihrem Ziel führen wollen. Doch jeder Expeditionsteilnehmer hat eigene Pläne und die Reise erweist sich als recht gefährlich...
Wenn es „Congo“ an einer Sache fehlt, dann ist das eine klare Linie: Die Expedition ist nur der grobe Leitfaden, aber jede Figur kocht ihr eigenes Süppchen: Die Forscher wollen die Äffin freilassen, Karen möchte den Gatten in spe zurückholen, Herkermer sucht eine Diamantenmine, während Monroe in erster Linie seinen Job erledigt. Einzeln sind die Storys zwar eher dünn, aber zusammengenommen kann man hier eine rund 100minütige Handlung draus stricken. Dabei kommt aber nur in Einzelszenen wirklich Spannung auf (z.B. die Nacht in dem von Killeraffen belagerten Camp), der Plot an sich ist weniger aufregend, was auch an dem gemäßigten Tempo liegt.
Immerhin ist der Dschungel recht atmosphärisch gemacht worden (auch wenn sich einige Szenen gut als Studioaufnahmen identifizieren lassen) und größere Längen hat der Film auch nicht. Ein paar humorvollere Sprüche, meist von Monroe, lockern das Geschehen zudem auf. Nur die Logik sollte man besser nicht hinterfragen (wir schießen mit einem Minilaser ins All, alles klar!) sowie die Glaubwürdigkeit einiger Charaktere (glaubt irgendjemand außer Karen R.B. auch nur eine Sekunde, dass er sich um Charles und nicht um seine Investition sorgt?).
An Schauwerten hat der Film dann aber doch das ein oder andere zu bieten. Immer wieder straucht irgendwelche Gefahr durch die Botanik, egal ob in Form von wildgewordener Fauna (Affen, Flusspferde und ähnliches Viehzeug), schießwütiger und/oder zu bestechender Rebellen oder schlicht und einfach in Form eines Vulkanausbruchs. So ist es alle paar Minuten an der Zeit mal wieder irgendwas spektakulär kaputtzumachen, einige Stunts einzubauen oder ein paar Nebencharaktere abnippeln zu lassen (wozu sind Träger sonst da?). Passt irgendwie zum zusammengestoppelten Stil des Films und ist ganz nett anzusehen.
Milchbrötchen Dylan Walsh wirkt absolut verloren inmitten des Geschehens und ist alles andere als überzeugend, weil er bestenfalls als Stichwortgeber für den Plüschaffen taugt. Grant Heslov gibt solide den comedic sidekick, was aber besser zu seinen Rollen in den ironischen Stoffen „True Lies“ und „The Scorpion King“ passte. Laura Linney ist halbwegs OK, aber ihre Rolle schwankt teilweise zu sehr zwischen naiv und tough. Tim Curry gibt den Klischeeschlawiner mit aufgesetztem Ostblockakzent und ist bestenfalls routiniert. Wirklich gute Darbietungen gibt es nur von Ernie Hudson und Joe Pantoliano, die herrlich schlitzohrig und mit witzigen Sprüchen daherkommen. Letzterer hat leider nur eine kleine Rolle. Delroy Lindo taucht auch noch kurz in einer ganz gut verkörperten Nebenrolle auf. Die Nebendarsteller sind ansonsten auch nur OK.
So bleibt mit „Congo“ passables Abenteuerflickwerk mit einigen dramaturgischen Schwächen, aber als platte Unterhaltung ist der Film ganz nett anzusehen.