Review

Dekonstruktion & Wiederaufbau

Jeder, der dem Subgenre des Found Footage-Horrorfilms zugeneigt ist, MUSS „Butterfly Kisses“ sehen. So einfach ist das. Der frische, erfreulich intelligente Meta-Grusler kommentiert sein Genre, unterwandert und erweitert es zugleich, hat mir richtig gut gefallen, auf nahezu all seinen Ebenen. In der clever gefaketen Doku folgen wir einem wenig erfolgreichen Filmemacher, der im Keller seiner Schwiegereltern einige zehn Jahre alte Kassetten findet. Scheinbar ein unfertiges Schülerprojekt (oder selbst eine Fake-Doku?) mit unauffindbaren Protagonisten (oder Schauspielern?) über den „Blink Man“, der stadteigenen düsteren Legende um einen Flimmergeist, der, einmal eingefangen, bei jedem Blinzeln ein Stück näher kommt. Und nun macht sich der Herr an die Fertigstellung des Amateurfilms bzw. Erforschung dieses mysteriösen Mythos' - ist etwas dran an der Schauerlegende oder will der Regisseur nur endlich den Sprung ins Business schaffen? Und wer nimmt hier eigentlich wen auf (den Arm) bzw. wer verfolgt wen, wer bringt wen in größere Gefahr oder Unsicherheiten?

Viele Fragen, viele Ebenen, viele Karten - doch dieses exquisite Konzeptkartenhaus hält erstaunlich gut! „Butterfly Kisses“ verwebt in seinen 90 Minuten mindestens 2-3 übliche Found Footage-Filme, -Konzepte und -Theorien, steht seinem Subgenre zugleich skeptisch und hinterfragend wie bewundernd und leichtgläubig gegenüber. Mit einem Auftritt des „Blair Witch Project“-Machers Ed Sanchez als schwarzhumoriges und „selbstkritisches“ Highlight. Außerdem schafft „Butterfly Kisses“ trotz all seiner Theorie und seiner Kurven noch eine oft sehr unbehagliche Atmosphäre und eine echt creepy Legende aufzubauen, egal ob man daran glaubt oder nicht. Seine heftigen Jumpscares verdient er sich und er schafft es phasenweise fast „It Follows“-artig, dass man die Augen und Aufmerksamkeit fies auf Hintergründe und Details legt. Im Gesamtpaket ist das alle Ehre und viel mehr Anerkennung plus Bekanntheit wert. Wie gesagt, gerade wenn man einen Hang zu dieser Art von hinterhältigen Schockern hat, ist „Butterfly Kisses“ eigentlich unumgänglich. Und das Gegenteil generischer Stangenware bzw. dem, was man erwartet, kennt und schon hundertmal gesehen hat!

Fazit: mindestens drei Found Footage-Grusler in einem, von basic bis meta, verzwickt und zugenäht, verdreht und verquirlt, intelligent und anders - ein super interessantes Labyrinth aus Angst, Mythen und Augenzwinkern. Clever und sehenswert, gerade für Fans (und vielleicht sogar noch eher Kritiker!?) des oft gescholtenen Subgenres! 



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