Review

*** SPOILERWARNUNG *** - bzgl. der Motivation des Schurken


Regisseur Matt Reeves wagt sich an ein Thema, welches nicht arm an Vorlagen und Interpretationen ist. Viele Inkarnationen gab es von dem Helden im Fledermauskostüm zu sehen, in der Qualität schwankend und doch – es scheint immer wieder die Zeit zu kommen, in der es eines neuen Anlaufs bedarf.
In seinem zweiten Jahr als der durch die Nacht streifende Rächer (Robert Pattinson) versetzt eine Mordserie Gotham City in Angst und Schrecken. Prominente Bürger aus der Oberschicht werden um die Ecke gebracht, der Täter hinterlässt Rätsel und Botschaften, die direkt an Batman adressiert sind.

Diese Stadt hat schon einiges gesehen und Gotham ist ein Charakter für sich in „The Batman“. Ohne jegliche Fantasyelemente offenbart sich eine in Finsternis, Regen und Kriminalität gehüllte Stadt, in die es nur sehr selten Sonnenstrahlen schaffen. Das Design ist geerdet, alles wirkt greifbar und ohne jeden übernatürlichen Schnickschnack.
Greig Fraser, der schon bei dem optisch herausragenden „Dune“ (2021) hinter der Kamera agierte, fängt diesen Moloch in Nacht und Neon, in dunklen Gassen und dreckigen Straßen ein, in denen immer irgendetwas im Schatten zu lauern scheint. Generell ist „The Batman“ visuell fantastisch eingefangen, die Bildkomposition ist ein Highlight für sich.

Der Titelheld selbst ist kein Übermensch. Sich auf die Anfänge der Figur besinnend, lässt der Film ihn oft als verkleideten Detektiv erscheinen. Im Duo mit (hier noch) Lieutenant Gordon funktioniert das gut, was auch an Jeffrey Wright liegt, der eine gelungene Interpretation verkörpert und mitunter die einzige Figur scheint, der man über den Weg trauen kann. Weniger gut harmoniert der Subplot mit Selina Kyle (Zoe Kravitz). Ihre Wege und verfolgten Interessen kreuzen sich, doch so richtig mag die Chemie zwischen den beiden nicht stimmen und ich gehe so weit zu behaupten, dass der Film ohne diesen Subplot gelungener wäre.
Wie so oft ist ein Filmheld nicht viel ohne einen charismatischen Gegenspieler. Derer gibt es hier gleich mehrere, aber „The Batman“ schafft es, sie unter einen Hut zu bringen, ohne dass es überladen wirkt. Wobei ihm auch hier der geerdete Ansatz hilft, denn es geht mal nicht um „höher, schneller, weiter“. Jede Figur verfolgt ihre eigenen Pläne und so fügt sich ein Puzzle zusammen, welches jedoch dann von einer Figur dominiert wird. Und das ist ein fantastischer Paul Dano als Riddler, der hier in seinen Umsturzfantasien betreffend „die da oben“ wohl der feuchte Traum von Querdenkern und Reichsbürgern sein dürfte – was die Chose nur umso bedrohlicher macht, wirft man einen Blick auf manche westliche Gesellschaft, unsere nicht ausgenommen.

Apropos Held. Wie bei jeder Neubesetzung kamen da diverse Diskussionen auf und um es kurz zu machen – für mich ist Pattinson ein sehr guter Batman. Und ein sehr wortkarger. In den letzten Jahren hat er sein Können in Filmen von „Cosmopolis“ (2012) bis „Der Leuchtturm“ (2019) bewiesen und hier zeigt er einen gebrochenen Mann, der für die Vergeltung lebt. Kein fertig ausgearbeiteter Batman, den muss er erst noch finden und auf dem Weg dahin auch mal einstecken. Allerdings, und das geht wohl auf die Kappe des Drehbuchs, wirkt er derart distanziert von allem und jedem, dass es schwer ist, zu ihm eine Verbindung aufzubauen. Selbst gegenüber Alfred, den Andy Serkis diesmal spielen darf, dessen Figur aber nicht wirklich viel beiträgt und somit verzichtbar bleibt, scheint er ein merkwürdiges Verhältnis zu pflegen.
Es liegt nicht an fehlender Präsenz Pattinsons. Reeves, der mit Peter Craig das Drehbuch verfasste, lässt seinen Helden nur bisweilen passiv erscheinen. Er gab selbst an, dass er die Figur des Bruce Wayne von dem bekannten Playboy-Image lösen wollte, was ihm merklich gelungen ist. Dieser Bruce, ebenso wie sein Batman, suchen noch nach ihrem Weg. Dabei kommt die Privatperson kaum vor, man erfährt auch nicht viel über ihn. Das ist insofern stimmig, da selbst Bruce nur die Figur, die er bei seinen nächtlichen Streifzügen verkörpert, interessiert. Insofern sagt der Filmtitel ganz direkt, was man hier bekommt. Gerne hätte ich noch etwas mehr über die Person dahinter erfahren, die sich auch mit der eigenen Familiengeschichte auseinandersetzen muss.
Aber sei's drum, ich mag diesen von Schmerz Getriebenen, der so uncomichaft daherkommt, dass alleine schon das eine wohltuende Abwechslung vom Blockbustereinheitsbrei ist. Hinzu kommt das Verschwimmen der Grenze zwischen dem einen Maskierten und dem anderen. Ein Punkt, der nur angerissen wird, aber doch über einigen Szenen schwebt.
Erwähnenswert sind hier noch die Gangster der oberen Etage, Carmine Falcone (John Turturro) und ein unter einer fantastisch gefertigten Maske versteckter Colin Farrell als Oz aka Pinguin, der in seinen Szenen eine richtig gute Leistung abliefert.

Die Musik von Michael Giacchino ist mehr als gelungen, ein wuchtiges und einfaches Thema unterstreicht die Atmosphäre ebenso wie der Rest des Scores, der sanft, melancholisch, aber auch genau auf die Zwölf kann. Erwähnenswert noch das wundervolle „Something in the way“ von Nirvana, das als angepasste Version mehrfach zum Einsatz kommt und, glaubt man Reeves, ihn beim Schreiben der Figur inspirierte.
Auf die Zwölf kann auch die Action, die zwar nicht so oft vorkommt wie man es erwarten mag, aber dann mit Schmackes. Da werden Faustschläge fast schon spürbar, woran das Sounddesign nicht ganz unbeteiligt ist. Dabei sieht auch hier alles realistisch aus, ein CGI-Gewitter bleibt dem Publikum erspart. Erwähnenswert hierbei noch die Autoverfolgungsjagd mit den montierten Kameras – herrlich.
Trotzdem hätte es gerne etwas mehr davon geben können. Denn so gerne ich mich durch diese finstere Stimmung treiben lasse, über nahezu drei Stunden Laufzeit macht sich dann doch trotz des interessanten Krimipuzzles die eine oder andere kleine Länge bemerkbar. Meckern auf hohem Niveau. Gleiches gilt für einen fast schon reduzierten Showdown, der aber letztlich zum Gesamtkonstrukt passt. Und das Batmobil gehört jetzt schon zu meinen Favoriten.

„The Batman“ ist kein üblicher Popcorn-Blockbuster. Ein finsterer Thriller mit Überlänge, der, sich unterschiedlicher Quellen bedienend, einen von Rache und Trauer zerfressenen Bruce am Anfang seiner Karriere als dunklen Ritter zeigt. Ein Kriminalfilm mit Noir-Einschlag, da dürften einige Erwartungen ziemlich unterlaufen werden. Für mich auf eine sehr ansprechende Weise. Regen, Nacht und Dreck.
Mit einnehmendem Stil eher in der Tradition von „Joker“ (2019) mit Schwingungen aus „Sieben“ (1995), aber punktuell etwas zu gestreckt geraten und nicht immer zwingend konstruiert, ist da noch etwas Luft nach oben. Trotzdem ein sehr sehenswerter Beitrag, der hoffentlich wie angekündigt der Auftakt zu einer Trilogie ist. Das Ende gibt da schon einen kleinen Ausblick, wohin die Reise gehen könnte.

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