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„The Bat-Man“ hatte seinen ersten Auftritt in der Reihe „Detective Comics“ im Jahr 1939. Und man muss Autor und Regisseur Matt Reeves dankbar sein, dass er für seine Fortführung der Filmreihe zu den Ursprüngen der Figur zurückgekehrt ist, anstatt die Route des gepanzerten Übermenschen weiterzuverfolgen, die zuletzt Zack Snyder mit Ben Affleck zu prägen versuchte.

Reeves hatte nach seinem Überraschungshit CLOVERFIELD mit LET ME IN und zwei PLANET OF THE APES-Filmen gezeigt, dass er Genrethemen in ernstzunehmende Filme mit politisch und sozial relevanten Themen umzusetzen vermag. Sein Batman-Film verzichtet dankenswerterweise auf die übliche Origins-Story und legt alle Figuren so real an, wie das in einem solchen Film möglich ist.

Die große dunkle Gestalt im bodenlangen Ledermantel wird von Kriminellen verhöhnt und von Polizisten verächtlich als „Freak“ beschimpft. Riddler, Catwoman und Penguin verstecken sich gar nicht erst in exotischen Kostümen. Batman selbst führt ein „Gotham Project“ Tagebuch – das hier ist keine heroische Superheldengeschichte, sondern ein soziologisches Experiment von unbestimmter Dauer. Und selten sah Gotham dem realen New York so ähnlich wie hier.

Was Todd Phillips in seinem JOKER durch banale Zitate herzustellen versuchte, gelingt hier ganz natürlich: THE BATMAN wirkt wie ein Noir-Krimi, bei dem sich Martin Scorsese und David Fincher den Regiestuhl teilten. TAXI DRIVER und SEVEN sind klare Referenzpunkte. Nicht, dass der Film die Größe oder Intensität dieser Werke erreichen würde, die Atmosphäre jedoch stimmt.

An Stelle spektakulärer Action tritt Ermittlungsarbeit in dunklen regennassen Gassen und spärlich beleuchteten Clubs. Statt gegen exaltierte Superbösewichte treten Batman und Gordon gegen mafiöse Strukturen und einen gefährlichen Psychopathen an. Die Nähe zu Christopher Nolans düsterem Meisterwerk THE DARK NIGHT ist offensichtlich, doch THE BATMAN ist eigenständig genug, um nie in den Verdacht einer reinen Kopie zu geraten.

Der Score von Michael Giacchino verwebt Motive von Schuberts "Ave Maria" und Nirvanas "Something in the way" zu einem düsteren Klangebilde, das sich bei Batmans Auftritten manchmal in die Drastik eines "Imperial Marches" steigert.

Robert Pattinson macht im Batmankostüm eine hervorragende Figur, als Bruce Wayne wird er allerdings manchmal zu Emo-mäßig inszeniert. Vielleicht eine Reminiszenz an die TWILIGHT-Fans.

Seine Überlänge von knapp drei Stunden merkt man dem Film erst gegen Ende an, als der Fall eigentlich geklärt ist und man den Oberbösen schon fast vergessen hatte. Doch dieser verdient natürlich auch noch seinen angemessenen Showdown…

THE BATMAN ist kein ganz großer Wurf, aber das war BATMAN BEGINS auch noch nicht. Der nächste Film wirft mit einem angedeuteten Cameo-Auftritt von Barry Keoghan jedenfalls bereits seine Schatten voraus.

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