Review

A True Crime… oder nicht?


Wenige Subgenres haben im letzten Jahrzehnt deutlicher geboomt als True Crime, egal ob als Film oder besonders als Serien wie „Making a Murderer“ oder „The Keepers“. Wunderbar vereinen sie von Nachrichten über Krimi bis Horror, vom jungen Zuschauer bis zur rüstigen Rentnerin, von Miss Marple bis Jigsaw, sehr viele Quadranten. „Faking a Murderer“ nimmt diese oft (und verständlicherweise) sklavisch ernst erzählte Schublade nun augenzwinkernd auseinander. Als Horrorsatire, Found Footage'ler und Mockumentary über zwei Filmemacher, die im Netz gruselige Videos eines selbstdarstellerischen Typen finden, von dem sie überzeugt sind, dass dieser ein Mörder sei. Nun machen sie sich komplett ohne Erfahrung auf diesem Gebiet und mit der Kamera in der Hand auf, um diesen zu finden und zu entlarven…

„Faking a Murderer“ ist teilweise genial, teilweise (vor allem umso länger er läuft) auch sehr plump, doch erstaunlich generisch und vor allem tonal, thematisch sowie ideentechnisch unausgegoren bis verwirrt. Das muss nicht heißen, dass diesen Druckabfall in Sachen Humor und Geschmack und Satire und Intelligenz hier jeder wie ich empfindet. Bei jedem, bei dem sich hier durch die Bank das hohe Startniveau hält, wird sich „Faking a Murderer“ als uneingeschränkter Geheimtipp aus Kanada etablieren. Ich muss für meinen ersten persönlichen Eindruck aber ein paar erklärende und einschränkende Kritiksternchen anbringen. Auf hohem Niveau, versteht sich. Der im letzten Drittel erstarkende Horroraspekt ist schwach. Fast Stangenware. Die Darsteller (egal ob echte Menschen oder eingeweihte Schauspieler) wirken meist steif und unbeholfen, was anfangs zum Stil und Ton passt, später aber nur noch sehr eingeschränkt. Der Cringefaktor ist hoch. Und das nicht immer beabsichtigt. Man wird außerdem das Gefühl nicht ganz los, dass vor allem die beiden Macher, Regisseure und Hauptdarsteller ihr Produkt, ihren Ansatz und ihre Idee für noch etwas schlauer, neuer und cooler halten, als sie eigentlich ist. Denn obwohl es mega respektabel ist aus der Not eine Tugend zu machen und kreativ Realität und Fiktion, Komödie und Horror, zu verschmelzen. Gesehen hat man das sowohl seiner Zeit voraus damals als auch in den letzten Jahren schon öfters. Und wenn die beiden wirklich, wie sie selbst behaupten, dermaßen große Horrorfans sind, dann sind ihnen die vergleichbaren Titel auch bekannt und müssten als Inspiration, Vorbild und Messlatte herhalten. Intern wie extern. Sodass „Faking a Murderer“ dann nur noch gut ist, deutlich zurechtgestutzt wird, nicht mehr der Innovationscocktail, für den er verkauft werden soll. 

Fazit: „Faking a Murderer“ fängt stark an und hätte noch runder, bissiger und schlauer insgesamt sein können. Aber auch so ist diese düstere, phasenweise clevere und meist witzige Mockumentary ein fieser Spaß zwischen „Mann beisst Hund“ und „How To Sell Drugs Online (Fast)“. 

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