Review

Ein klassischer Fall von schlechtem Timing der Sonderklasse, steht "Jason" auch heute noch als einer der besten Sagen- und Sandalenfilme da und gleich auch noch als einer der am unbeachtetsten Gebliebenen. Denn als der mit reichlich Harryhausen-animierten Monstren daherkommende Griechenland-Knaller 1963 in die Kinos kam, hatte so ziemlich alle Welt die starken Muskelmänner mit den knappen Lendenschurzen und adretten Sandalen satt, die seit 1957 die Kinos überschwemmten und strafte das Phantasieprodukt mit Mißachtung.

Das ist praktisch-faktisch gesehen eine Schande, denn allein die Stop-Motion-Effekte Harryhausen sind Begründung genug für einen Gang ins Kino. Praktisch als Nachzieher zu dem Effekt-Overkill seines wohl besten Films "Sindbads siebte Reise" ist Harryhausen hier noch gut in Form und kann mit reichlich Abwechslung aufwarten.

Doch zunächst widmet sich der Film inhaltlich der griechischen Sagenwelt rund um den verlorenen Königsohn Jason, der es dem Mörder und Thronräuber seines Vaters mal so richtig zeigen will, von dem listigerweise erst mal auf das goldene Vlies angesetzt wird, auf das er auf dem Weg dahin baldigst dahinscheide. Die Götter schauen vom Olymp aus zu und Jason macht sich nach Mannschaftsauswahl per Mini-Olympiade und Schiffsbau auf die Ruder, um den Bettvorleger zu erobern. Und so wird der Film dann knackebunt mit Reiseabenteuern angefüllt, die ohne Harryhausens Kunst ein mühsames und zähes Filmchen wären.

Ergo animiert der Meister auf der Bronzeinsel erst mal die riesige Statue von Talos, dem Wächter (Das Tal mit den ruhenden Statuen ist das visuell immer noch beeindruckendste Bild des Films.), dann ein Paar Harpyen, die einen blinden Seher quälen, macht sich dann an die schlagenden Felsen, die beinahe das Schiff versenken und reüssiert schließlich in einer siebenköpfigen Hydra und zum guten Schluß in sieben Skeletten, die Jason und Kumpane gleichzeitig angreifen.
Es ist diesen Trickeffekten zu verdanken, daß der Film so gut zu genießen ist, auch wenn die Qualität gegenüber Sindbad deutlich abfällt. Ist Talos noch sehr gut, haben die Harpyen mit Farbunterschieden zu kämpfen. Die schlagenden Felsen sind sogar eher eine mißlungene Tricksequenz, denn da wackeln die Felsen nur allzusehr, sind die Modelle zu gut erkennbar und Gott Neptun mit Fischschwanz reizt auch mehr zum Lachen. Die Hydra ist wieder besser, doch die Sequenz hat nichts Herausragendes zu bieten. Die sieben Skelette sind bis heute eine von Harryhausens besten Leistungen, da hier sieben Figuren gleichzeitig animiert werden mußten, um sie mit den Schauspielerbewegungen in Einklang zu bringen. Leider ist es eine siebenfache Wiederholung des virtuosen Skelettduells aus Sindbad (sogar das Sindbad-Modell wurde hier wieder benutzt) und deswegen nicht sonderlich neu. Auch die Auflösung ist nicht gerade phantasievoll geraten.

Aber all das überstrahlt immer noch die eher biederen Schauspielkünste der Darsteller, die eher auf gehobenem Sandalenniveau ablaufen. Die Story hat einige Längen und verliebt sich zu sehr in die malerisch-prächtige Kameraarbeit, anstatt eine straffe Geschichte zu erzählen. So wirkt dann auch die Geschichte mehr den Tricksequenzen angepaßt als umgekehrt. Ferner fehlt auch ein zentraler Schurke, der den schleppenden Plot mal gehörig anfeuert, doch der Hauptfeind ist aus dem Spiel und nur sein Sohnemann reist an Bord mit, kann aber da nicht viel reißen. Am Ende gibt's in Kolchis zwar noch einen bösen König (der Hofstaat dort ist eh die reine Satire), doch wirklich furcheinflößend wie Sindbads Sokura ist hier niemand.

Ein Knaller humoriger Art aus heutiger Sicht sind sicherlich die Kostüme auf Erden als auch im Olymp, bisweilen so bizarr geschneidert, daß man sich die alten Tuniken zurückwünscht. Auch sonst wiederkäut der Olymp mal wieder Comic-Klischees von reichlich Rauschebärten in weißen Kostümen, die durch ihren Wasserfernseher die Lebenden beobachten und als Schicksal ihnen dicke Steinfiguren in den Weg legen.

Wer am Ende eine gemütliche Auflösung erwartet, wird übrigens enttäuscht. Jason erringt zwar seinen güldenen Bock-Flokati, doch damit endet der Film vor der ruhmreichen Rückfahrt mit der Ankündigung weiterer Aufgaben durch die Götter und neuer Abenteuer vor dem Sturze des Tyrannen, der wohl noch heute auf seinem Thron sitzt, denn eine geplante Fortsetzung hat es nie gegeben, weil die Leute den Kinos fernblieben.

Schön bunt, aber ein wenig zäh, könnte deswegen heute das Urteil lauten, wenn er wieder mal über unsere Bildschirme flimmert. "Jason" fehlt die Leichtigkeit und Strahlkraft, überhaupt gegen die Tricks etwas ausrichten zu können, was ansatzweise wenigstens zwei von drei Sindbadfilmen und auch "Kampf der Titanen" gelang. Trotzdem bleibt er immer noch ein relativ zeitloser Genuß alter Schule, ein Film, bei dem man als Zehn- oder Zwölfjähriger mal so richtig im Sessel versinken konnte. Die Playstation müßte man bei sowas übrigens mal abstellen. Aber die gabs ja damals eh noch nicht. (6,5/10)

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