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Wohin religiöser Fanatismus führen kann, haben bereits etliche Beiträge im Bereich des Düsterfilms untermauert. Dabei muss es nicht immer die gut organisierte Sekte mit Methoden wie Gehirnwäsche sein, denn wahrscheinlich fällt jedem mindestens eine Familie im eigenen Umfeld ein, die aufgrund biblischer Fehlinterpretationen aus der Masse hervorsticht. Und das nicht im Positiven.

Irgendwo im amerikanischen Hinterland auf einem Gehöft lebt der Patriarch Harold (Bruce Davison) mit seiner Frau (Arianne Zucker) und den beiden Töchtern Maggie (Holly Taylor) und Sarah (Rita Volk), die sich im Teenageralter befinden. Eines Tages straucheln hier drei Jugendliche mit einer Reifenpanne. Da Harold weder ein Telefon, noch ein Auto besitzt und das nächste Haus über 20 Meilen entfernt liegt, nehmen die drei die Gastfreundschaft des alten Kauzes zunächst nur zähneknirschend in Kauf…

Die Eröffnungsszene, bei der die Kamera sichtlich durchdacht arbeitet, offenbart auf psychischer Ebene, wie es um die Familie bestellt ist. Mehr bedarf es nicht, um die einzelnen Positionen des Gefüges zu verdeutlichen: Harolds Wort ist Gesetz und mag es noch so abstrus klingen, wie er Passagen aus der Bibel stets zu seinen Gunsten auslegt. Gewissermaßen sagt seine Frau nur Ja und Amen, während Sarah ein typisches Papakind zu sein scheint, wogegen Maggie die Hinterfragende ist. Allerdings im zurückhaltenden Sinne, da die Töchter weder eine Schule besuchen, noch sonst irgendwelche sozialen Kontakte pflegen.

Entsprechend mag man sich ausmalen, welche Welten bei dem scheinbar harmlosen Kontakt mit den Reisenden aufeinander prallen, was unweigerlich eine unheilvolle Stimmung mit sich bringt. Speziell hier hätte das Regieduo und Autorenteam Brad Helmink und John Rauschelbach etwas mehr auf Konfrontationskurs gehen und die Gäste mehr hinterfragen lassen können. Denn zunächst nimmt die Erzählung über weite Teile die Perspektive der drei Jugendlichen ein, um sich in der zweiten Hälfte vermehrt auf Maggies Entwicklung zu konzentrieren.

Zwar werden hier noch kleinere Wendungen eingebaut, doch bei der Konstellation von nur sieben Figuren sind viele vermeintliche Überraschungen erahnbar, zumal kleine Hinweise etwas zu offensichtlich gestreut werden. Folgerichtig halten sich spannende Momente in Grenzen und auch in Sachen Gewalt sind lediglich kleine Spitzen auszumachen.

Darstellerisch wird hingegen ein solides Niveau abgeliefert, wobei der überaus erfahrene und stets präsente Davison viele Szenen problemlos an sich reißt, aber auch Holly Taylor erweist sich als treffende Wahl für eine junge Frau, die eine eher seltene Form von Coming-of-Age durchmacht.

Schade, dass letztlich die zündenden Kniffe ausbleiben und der Konfrontationskurs stets gedämpft bleibt. Denn nach dem gelungenen Einstieg mit angespannten Situationen und unheilvollen Andeutungen kann der Stoff der Erwartungshaltung nicht gerecht werden, wodurch er keinen bleibenden Eindruck hinterlassen kann und sich zu wenig von der breiten Masse abhebt.
5 von 10

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