Die beiden Schwestern Grace (Alyssa Milano) und Kathleen (Emilie Ullerup) sind unterschiedliche Wege im Leben gegangen, als sie sich nach langer Zeit wiedersehen: während erstere eine erfolgreiche Krimiautorin wurde, die von der Schriftstellerei gut leben kann, hat Kathleen nicht soviel Glück gehabt, mußte nach der Scheidung um das Sorgerecht für ihren Sohn kämpfen und verdient als Lehrerin gerade genug, um (über-)leben zu können.
Als die alleinstehende Romanautorin, für ein paar Tage zu Besuch bei ihrer Schwester, im ebenfalls alleinstehenden Nachbarn, dem Polizisten Ed (Sam Page), eine Inspirationsquelle für ihren nächsten Krimi entdeckt, währt die sich anbahnende Romanze allerdings nur kurz, denn als sie nach einem beschwingten Abend ins Haus der Schwester zurückkehrt, findet sie diese tot auf dem Fußboden liegend auf: ein Einbrecher hat Kathleen offenbar erwürgt.
Trotz fürsorglicher Betreuung durch den nachbarlichen Detective ist Grace untröstlich und möchte den Fall am liebsten selbst aufklären, wozu sie sich als Krimiautorin besonders berufen fühlt. Ed kann sie kaum davon abhalten, und nach Rücksprache mit der Gruppenleiterin darf Grace dann offiziell als beratende Ermittlerin bei den Befragungen von Zeugen mitwirken.
Schnell wird bekannt, daß die Ermordete nachts als Domina vor der webcam die Peitsche knallen ließ, und bald wird nach einem Serienmörder gesucht, da kürzlich eine andere nebenberufliche Internet-Akteurin auf dieselbe Art und Weise zu Tode kam und eine weitere gerade überfallen wurde. Da ersinnt die übereifrige Schriftstellerin den glorreichen Plan, sich in den Latexklamotten ihrer Schwester selbst als Lockvogel zur Verfügung zu stellen...
Was sich schon nicht besonders spannend liest, ist in der filmischen Realität noch viel trister, als es die Einleitung darzustellen vermag - und in der Tat herrscht in der Netflix-Produktion Brazen (deutsch: Verlorene Liebe) vor allem eines vor: gähnende Langeweile. Langeweile über eine vollkommen ausgeluschte Thematik, die sich ohne sichtbares Engagement an sattsam bekannten Krimi-Stereotypen abarbeitet, ohne dabei auch nur eine Spur von Spannung zu erzeugen.
Die Handlung ist dabei derart banal, daß man sich über den Eifer der Schwester, einen Mörder unbedingt auf eigene Faust zu fangen, gar nicht mehr wundern mag: so ist das eben in seichten TV-Krimis. Über den Umstand, warum die erfolgreiche Schriftstellerin keinen Partner(in) hat, braucht man ebensowenig nachzudenken wie über den schier unglaublichen Zufall, daß neben ihrer Schwester ein gutaussehender, beruflich erfolgreicher Polizist wohnt, in den sich Grace sogleich verliebt. Doch Sidekick Ed hat schon bald alle Hände voll zu tun, die sehr von sich selbst und ihrem, äh, Fachwissen überzeugte Blondine davon abzuhalten, die Ermittlungen zu behindern. Der seltsamerweise äußerst eingeschränkte Kreis der Verdächtigen bietet dabei selbst leidgeprüften Krimifreunden kaum einen Anhaltspunkt zum Mitraten, und es grenzt schon an ein Wunder, daß einer der Verdächtigen dann am Schluß tatsächlich als der Mörder präsentiert wird, zumal dessen Motiv ziemlich rätselhaft bleibt.
Mangels tieferer Charakterisierungen (auf die man aber angesichts der austauschbaren Charaktäre eigentlich auch gerne verzichtet) bleibt einem dann nur, während des grundsätzlich vorhersehbaren Plots wach zu bleiben. Hauptdarsteller Alyssa Milano, ihres Zeichens Botox-Testimonial, ist dabei eigentlich auch kein Vorwurf für das schwache Drehbuch zu machen - peinlich wird es erst, als sich die 50-Jährige ziemlich zum Schluß in Latexklamotten zwängt und wie eine aufgeblähte Wurst herumhampelt. Aber zu diesem Zeitpunkt sind diejenigen Zuschauer, die nicht vorzeitig abgeschaltet haben, wohl schon sanft entschlafen...
Fazit: ein saft- und kraftloser Krimi auf TV-Niveau für eine eher weibliche Zielgruppe, von dem man zur Mitte des Films schon dessen anfängliche Handlung vergessen hat. 2 Punkte.