Review

Alfred Hitchcock lässt grüssen...


Psychothriller heutzutage zu drehen, mit Wiedererkennungswert, aber abzuheben von üblicher Stangenware; gestaltet sich oft als schwieriges Unterfangen. Vieles hat man bereits schon des öfteren, oder zum x-ten mal konsumiert, das meiste wurde zu oft kopiert, neue Ideen sind Mangelware und so degeneriert das Genre langsam ins blasse Geisterreich. Das es auch anders geht, zeigt Chloe Okuno in ihrem zweiten Spielfilm. Zwar erfindet sie das Rad nicht wirklich neu, aber die neue Motivation für aufgewärmtes Grundszenario beweist, das man eine frische Brise in das etwas totgesagte Genre bringen kann.

Die junge ehemalige Schauspielerin Julia zieht mit ihrem Mann Francis, der aus Rumänien stammt, aus den Vereinigten Staaten nach Bukarest, da er das Büro seiner Firma in dieser Stadt bereichern soll. Während der Gatte arbeiten geht, verbringt Julia den Tag damit, die Stadt näher kennenzulernen und trist in der Wohnung abzuhocken. Eines nachts beobachtet sie aus dem Fenster in der gegenüberliegenden Wohnung, das eine dunkle Gestalt sie beobachtet. Dabei soll es nicht bleiben; immer und immer wieder, steht die schattige Figur am Fenster und beobachtet Julia. Francis glaubt ihr kein Wort. Als sie erfährt, das seit längerem ein unheimlicher Frauenmörder in der Stadt sein Unwesen treibt, stellt sie dem Nachbarn nach; ein gefährliches Unterfangen, das Julia in Lebensgefahr bringt.

Aus der Story kann man im Grundton Anleihen aus Hitchcocks "Das Fenster zum Hof" von anno 1954 erkennen, was sich auch nicht verleugnen lässt. Der Film beginnt recht harmlos und ruhig, wird dann aber nach und nach immer aufregender, zieht die Spannungsschraube bis zum Grad einer Daumenschraube an und fesselt ungehindert mit seiner Mixtur aus Paranoiathriller und Psychodrama. Die gut gelösten kniffigen Twists, werden ebenso wie die überzeugenden Darsteller, insbesondere Maika Monroe, als in sich gekehrte Anti-Screamqueen unterstrichen.

Zur authentischen Atmosphäre durfte auch dazu beitragen, das Okuno den Geist des osteuropäischen Nachtlebens eingefangen hat. Dies und das geniale Katz-und Mausspiel, das ausgefeilte Drehbuch und die düsteren Kameraeinstellungen paaren sich zu einem schon fast meisterlichen Psychothriller. Da wäre selbst der Altmeister Alfred stolz darauf gewesen.

Subtiler Lehnenkraller auf Hitchcocks Spuren, der die Spannung stets aufrecht hält und bis zum drastischen Finale fesselt.


Ist die FSK:16 Freigabe gerechtfertigt? Ja, ruhiger Subtilschocker mit drastischem Ende und im Aufbau sehr unheimlich!

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