Fast jeder hat ihn schon mal gesehen und viele sind sogar mit ihm großgeworden, haben diesem Film vielleicht sogar die Liebe zum Medium zu verdanken. "Sindbads siebte Reise" ist die Essenz eines filmischen Märchens, zelluloidgewordene 1001 Nacht, dank den wundersamen Trickkünsten eines gewissen Ray Harryhausen, der sich schon an verschiedenen Monstern versucht hatte, aber hier mit einer ganzen Reihe derselben Meisterschaft verdiente.
Der Film besitzt all das, was das orientalische Heldenepos braucht, um in voller Pracht die Segel zu setzen: den aufrechten Seefahrer Sindbad, die schöne Prinzessin in Not, eine (teilweise) tapfere Mannschaft, einen Bösen von erlesenem Kaliber, magische Hilfsmittel wie einen Lampengeist und jede Menge Hindernisse in Gestalt immer neuer Monster.
Der Film geht sofort in die vollen, wenn gleich nach dem Nachspann die Seefahrer an den Magier Kohura und einen gehörnten Zyklopen geraten. Die Zyklopen sind eine von Harryhausens besten Schöpfungen, detailreich, bedrohlich und grausam. Durch den Verlust der geheimnisvollen Lampe ergibt sich natürlich reichlich Konfliktpotential und Kohura spinnt eine magische Intrige, zu deren Bekämpfung man natürlich auf die Insel zurück muß.
Harryhausen hat jede Menge zu tun: neben drei Großauftritten der Zyklopen muß er auch noch ein tanzendes Schlangenwesen, einen riesigen Hausdrachen, einen jungen und einen alten Riesenvogel Rock und ein schwertkämpfendes Skelett animieren. Alle Arbeiten sind meisterhaft ausgeführt, wobei ich den Skelettkampf dem siebenfachen in "Jason und die Argonauten" noch vorziehe, weil er detailreicher und "näher dran" ist. Dazu kamen noch zahlreiche Miniaturisierungseffekte (der Prinzessin) und übergroße Kulissen.
Kerwin Mathews ist ein noch sehr draufgängerischer Sindbad, während aus seiner Mannschaft keiner hundertprozentig herausragt. Kathryn Grant ist eine Prinzessin, die auch mal tapfer zur Tat schreitet, während Torin Thatcher den Vogel als Fiesling Kohura abschießt. Einziger Minuspunkt ist das Mondgesicht Richard Eyers als Lampengeist, der auch noch eine furchtbare Synchronstimme mit sich herumschleppt.
Zu bemängeln wäre noch die Uneinheitlichkeit bei den Trickaufnahmen, was die Himmelsfärbung angeht (Sonne und Wolken wechseln recht häufig und bei Tricktotalen ist der Hintergrund meist völlig weiß) und die Rückprojektionen im Felsenzauberschloß, die sehr stark nach Notlösung aussehen. Auch die Zauberlampe schwankt in ihrer Größe, je nach dem wer sie gerade hält (Zyklop oder Mensch). Zu vermuten ist, daß das Budget nicht gereicht hat, denn die Sirenensequenz (die zu hören, aber nicht zu sehen sind) wäre sicherlich auch noch was für Harryhausen gewesen.
Der Film rauscht jedoch sonst los wie eine wahre Pracht und die herrlichen Locations (gedreht wurde in Spanien), die in knalligen Farben sich vor dem Zuschauer ausbreiten tun ihr Übrigens zu Heldentaten und Monstergetümmel. Heute gönnt man sich den Schinken nicht selten im Fernsehen, wer ihn jedoch noch auf einer Filmleinwand sehen konnte (so ca. mit 12 z.B.), wird ihn nie vergessen haben.
Eine filmische Pracht, die man trotz ihres reinen Unterhaltungscharakters nie vergessen sollte. Harryhausen at it's best and in living colour! (9/10)