Review

Das erste Drittel dieses Thrillers lässt Böses erahnen und man fragt sich, wie sich der farbige Good Guy des US-Mainstreams, Denzel Washington, in diesen Film verirren konnte. Der Verdacht läge nahe, es mit einer *Ich war jung und brauchte das Geld*-Jugendsünde zu tun zu haben. Aber da "Out Of Time" in der Filmographie Washingtons im Jahre 2003 auftaucht, konnte diese These verworfen werden, denn zuvor drehte er Kassenhits wie "Die Akte", "Philadelphia" oder "Ausnahmezustand".
Welchen Teufel hatte ihn geritten, in dieser Hommage an den Film Noir mitzuspielen, noch dazu als Cop zwischen Ehefrau und durchtriebener Geliebten, und in eine undurchsichtige Verschwörung aus Mord und Betrug gerät?

Hört sich nach einer ganz banalen 08/15-Story vor exotischer Kulisse an, eben die haushaltsübliche Standardware auf hochglanzpoliertem TV-Niveau, wie man es wöchtlich von "CSI: Miami" aufgetischt bekommt. Neben hochkarätigen Stars wie Denzel Washington und Eva Mendes gesellen sich noch Darsteller wie John Billingsley (bek. aus "Prison Break" und "24") oder Ex-Superman Dean Cain dazu, die anscheinend aus solchen Serien direkt für "Out Of Time" rekrutiert wurden.

Aber, lieber Filmfreund, das erste Drittel diente lediglich zur Einführung aller notwendigen Darsteller und der Geschichte, die sich im weiteren Ablauf um 180° dreht und sich zu einem hochspannenden, nervenaufreibenden Verwirrspiel mit augenzwinkerndem Humor entwickelt, und so temporeich von Regisseur Carl Franklin umgesetzt wurde, dass der Titel dieses Thrillers bis zum Finale Programm ist.

Zugegeben, das durchtriebene Spiel ist bereits durchschaut als es noch gar nicht richtig angefangen hat, dennoch überzeugt "Out Of Time" mit einer Vielzahl unvorhergesehener Wendungen und Plotttwists. Der Zuschauer fiebert richtig mit, wenn Denzel Washington zu Unrecht des Mordes verdächtigt wird und alles daran setzt, diesen Umstand vor seinen Kollegen, und seiner Frau, die in diesem Fall ermittelt, zu verheimlichen. Den Ermittlungen seiner Frau immer nur einen Schritt voraus, gilt es für ihn, Beweise zu unterschlagen oder zu manipulieren und gleichzeitig Licht in das Dunkel zu bringen, bevor sich die Schlinge um seinen Hals immer fester zieht.

Denzel Washington spielt dabei so bravourös wie eh und je, die Spannung und den Druck, unter dem er leidet, nimmt man ihm jederzeit ab, wobei für diese Rolle nun sicherlich kein Denzel Washington vonnöten gewesen wäre, es sei denn, dass er einfach nur als Zugpferd herhalten sollte.
TV-Darsteller John Billingsley als Gerichtsmediziner mit Eheproblemen sorgt für die heiteren Momente und lockert das hochdramatische Geschehen etwas auf.

Ehrlich gesagt bin ich froh, dass ich trotz der späten Stunde noch durchgehalten und "Out Of Time" eine Chance gegeben habe, denn das, was anfangs noch unscheinbar und uninteressant  wirkt, entwickelt sich zu einem der besten Thriller, die ich in letzter Zeit gesehen habe. Klare Empfehlung!

Details
Ähnliche Filme