Nach einigen Fehlzündungen versucht sich Regisseur Justin Lee erneut im Horrorbereich und richtet eine kleine Zeitreise für Nostalgiefans ein. Mit einem Ensemble bekannter Gesichter und einer stimmigen Kleinstadtatmosphäre vermag er zumindest in diesen Punkten zu überzeugen.
Ende der 80er in der südwestlich gelegenen Provinz Hope Valley: Sheriff Joe (Ed Morrone) ist neu in dem Kaff und hat außer mit tollwütigen Waschbären und entlaufenen Hunden wenig zu tun. Noch ahnen die Bewohner nicht, dass eine Satanssekte um Joshua (Billy Zane) einen teuflischen Dämon heraufbeschworen hat…
Mit diesem recht kurzen Stück Film (der Abspann setzt nach 77 Minuten ein) setzt Lee auf die eher älteren Semester, die den Schlonz der 80er in vollen Zügen mitgenommen haben. Wählscheibentelefon, Kassettenrekorder, dicke Kopfhörer, Kaugummiautomat und ein wenig Weihnachtsbeleuchtung sorgen für ein altmodisches Flair, während einige Gastauftritte zum nahezu heimatlichen Gefühl beitragen.
So absolviert Billy Zane mit der Frisur einer Wurzelhexe zwar nur zwei Szenen und gibt sich dabei gerne dem Overacting hin, ist aber einstweilen fast so cool wie Bruce Dern als fluchender Vietnamveteran im Rolli, der sich ordentlich gegen die immer wieder erscheinenden Kapuzenträger zu behaupten weiß. Mit Adrienne Barbeau am Radiomikrofon wird man unweigerlich an „The Fog“ erinnert und auch Tony Todd darf ein wenig aktiv zum Geschehen beitragen.
Jenes benötigt allerdings eine Weile, um endlich Fahrt aufzunehmen, denn obgleich dem Vorspiel einige Aufheiterungen und kleine Referenzen anhaften, lässt die Bedrohung etwas zu lange auf sich warten. Die gesichtslosen Kapuzenträger, die teils wie aus dem Nichts auftauchen und im letzten Moment diverse Waffen aus ihren Ärmeln zücken, tragen durchaus zur unheilvollen Atmosphäre bei, während ein Diner, eine Werkstatt und das kleine Polizeirevier als Orte des Ausharrens und Lauerns taugen.
Der Dämon, der mit seinen Hörnern nach einer kleinen Metamorphose direkt an den Leibhaftigen erinnert, schlägt leider nicht ansatzweise so blutig zu, wie man es von einer abgrundtief bösen Erscheinung erwarten würde. Nahezu sämtliche Ableben finden im Off statt, es fließt kaum Blut und lediglich ein Messerstich bildet in Sachen Gewalt eine minimale Ausnahme. Auch im Bereich der Action wird nicht allzu viel aufgefahren, da man nicht über kleine Fights mit den Kapuzenträgern hinauskommt, welche immerhin okay choreographiert sind.
Während sich der Score um einige typische Sounds der Achtziger bemüht und die Kamera ohne irgendwelche Schnörkel stets auf Höhe des Geschehens hantiert, mangelt es insgesamt an Spannung und Dynamik, was der zunächst halbwegs spannend gestaltete Showdown mit zu unspektakulärem Ausgang nur allzu deutlich unterstreicht. Zwei Szenen während der Credits fallen nicht allzu erhellend aus, wogegen das eine oder andere Schicksal der Kleinstadtfiguren ungewiss bleibt.
Der nicht allzu hohe Produktionsaufwand beinhaltet zwar angedeutete Explosionen, ein paar Raucheffekte und ein passables Make-up, doch in Sachen Gewalt wäre hier ebenso eine Steigerung möglich gewesen wie im Bereich der Aufheiterungen und Referenzen, die sich von „Nacht der lebenden Toten“ über „Halloween“ bis zu „Cujo“ erstrecken.
Ältere Leute können da eventuell etwas mitnehmen, den jüngeren dürfte es an Suspense und Schauwerten mangeln.
Knapp
6 von 10