Review

Amicus war nicht Hammer, soviel ist klar. Aber Tigon war auch leider nicht mal Amicus – und das sollte auch mal gesagt werden.

Darum ein paar Worte zu „The Creeping Flesh“ aka „Nachts, wenn das Skelett erwacht“, einer 1973er-Kollaboration der Best-of-British-Horror-Buddies Peter Cushing und Christopher Lee, die mir jahrelang durch die Lappen gegangen ist.
Viel versäumt habe ich dabei nicht, denn auch wenn es Legionen von Hardcore-Fans gibt, denen jeder Film der beiden sakrosant ist, bin ich nicht gewillt, qualitative Untiefen in selbigen verschwinden zu lassen.

Der Plot des Film fällt – leider – unter „mal anders aber dafür schön blöd“, was ja nicht zwingend eine schlechte Sache sein muss. Cushing, der nach dem Tod seiner Frau leider zunehmend in jedem ihm angebotenen Kokolores mitspielte (Star Wars und so), spielt hier einen wackeren Expeditionswissenschaftler, der aus Neuguinea ein Riesenskelett mitgebracht hat, weil er irgendeinen Preis gewinnen will. Gleichzeitig hat sein holdes Eheweib im lokalen Asylum den Löffel geworfen, wo sie seit Jahren ein preiswertes Zimmer bewohnte. Geführt wird die Butze von Cushings Bruder – dargestellt eben von Lee – der als Püschiater genau den gleichen Preis gewinnen will und zwar mit einem Paper zur Krankheit der Verblichenen.
Im Rest des Films geht es dann um zwei Sachen: um den Knochenmann, der wieder Beinfleisch und dicke Daumen ansetzt, sobald man ihn mit Wasser beträufelt und die liebe Penelope, des Cushings Töchterlein, die natürlich gern wissen würde, ob Mamas Wahnsinn vererbbar ist.
Als sie rausfindet, dass Mutti einstmals die Keulen in den Folies geschwungen hat, setzt sie eine selbsterfüllende Prophezeiung in Gang und wird nun selbst ein lockeres Mädel. Das wird noch schlimmer, als Papa, der inzwischen aus dem Skelett irgendein hanebüchenes Serum extrahiert hat, ihr selbiges im Bemühen um Gesundung in die Adern spritzt. Und dann klaut Brüderlein auch noch den Knochenmann, als der Wetterbericht gerade Regen gemeldet hat.

Das klingt alles viel lustiger als es wirklich ist. Tigon hatte wenig Geld, also hat man das alles beschaulich und mit wenig Aufwand, daher aber auch mit wenig echtem Charme gedreht. Lees Studio-Asylum sieht arg improvisiert aus und die Rückschlonz-Tricks beim Fleischanwachsens des Knochenmanns kriegt nicht mal die Regie von Freddie Francis präzise rüber. Die beiden Mimen spielen meist aneinander vorbei oder salbadern viel zu viel Text, während Töchterlein stundenlang durch die Kneipen zieht und anschließend der Mob hinter ihr her ist. Lee muss wenig mehr machen als sinister zu sein und Cushin mochte ich in seinen weniger tattrigen Rollen bedeutend besser.

Wer natürlich alles sammelt, der darf auch hier gern zugreifen, aber einen passablen Aufhänger, mir das Ding mehr als einmal einzupfeifen, war leider nicht aufzutreiben, da fehlt dann auch einfach der viktorianische Charme, den sich Hammer stets locker aus den Ärmelaufschlägen klopfen ließ und der hier bieder dreinschaut.
Bemühte 4/10.

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