Die Videospielreihe „Uncharted“ ist ein Blockbuster im Gamingbereich, bekannt und beliebt für seine rasanten Actionszenen und seine ausgewogene Mischung aus Ballerei (viel), Kletterei (mittel) und Rätselraterei (wenig). Formal ist „Uncharted“ so etwas wie die männliche Version von Lara Croft – oder eben eine etwas tumbere Indiana Jones-Variante (seines Zeichens ebenfalls inspiriert von den Serials der 30er-Jahre). Uncharted, das Spiel, ist also die Kopie einer Kopie einer Kopie (einer Kopie). UNCHARTED, der Film, kopiert jedoch unverständlicherweise ganz andere Vorlagen. Denn für die Macher der Verfilmung schienen die Spiele ohnehin keine Rolle zu spielen, übernommen wurden lediglich die Namen der Figuren – und das Storytelling, das nicht gerade eine Stärke der Spiele ist.
Anstatt sich auf die Stärken der Vorlagen und des Adventure-Genres zu fokussieren, verbringt der Film die komplette erste Hälfte mit einer hirnrissigen urbanen Schnitzeljagd à la Dan Brown.
Während die Figur des Nathan Drake – sowohl optisch als auch von der trockenen Art her – an FIREFLY-Schauspieler Nathan Fillion angelehnt und sein Gefährte Sully als verlässlicher väterlicher Freund angelegt war, ist die Hauptfigur in diesem Spiel-Prequel mit Tom Holland zwar maximal publikumswirksam, aber minimal passend besetzt. Holland legt die Hauptfigur als „Your Friendly Neighborhood Nate“ an, der sich bei seinen Angreifern immer erst mal entschuldigt, bevor er mit Spider-Man-artigen Parkours-Stunts die Flucht ergreift. Sein Nathan Drake soll als charmanter Gentleman-Gauner durchgehen, wirkt jedoch wie ein unbeholfener Kleinkrimineller mit zu großer Klappe. Ein Barkeeper, der bei Tom Cruise in die Shaker-Schule gegangen ist und alles über die Herkunft des „Negroni“ weiß, kurze Zeit später jedoch ein Glas Rioja banausenhaft auf Ex kippt. Was zeigt, bis in welche Detailtiefe in diesem Film einfach nichts zusammenpasst.
Die Besetzung seines Partners Sully mit Mark Wahlberg galt schon früh als Warnsignal für Freunde etwas anspruchsvollerer Actionkost. Wahlberg, der seit Jahren eine Leerstelle in Filmen ausfüllt, für die man keinen charismatischen Star bekommen (oder bezahlen) konnte, zeigt hier mal wieder mangels Charisma nur seine muskulösen Oberarme und sagt zumindest seinen Text fehlerfrei auf. Das war’s dann aber auch schon. Wer UNCHARTEDs Traumbesetzung in Aktion sehen will, muss wohl oder übel auf den inoffiziellen
15-Minuten-Fanfilm auf Youtube ausweichen – mit Nathan Fillion und Stephen Lang in den Hauptrollen!
Nun muss es für eine Videospielverfilmung kein Nachteil sein, sich von der Vorlage zu lösen. Der erste RESIDENT EVIL, der ebenfalls kaum etwas mit dem Spiel zu tun hatte, war zumindest ein passabler Zombiefilm. Nur ist UNCHARTED kein passables Action-Adventure, es ist überhaupt kein passabler Film geworden.
Regisseur Ruben Fleischer hat mit seinen ZOMBIELAND Filmen gezeigt, dass er plakative Action inszenieren kann – und mit VENOM, dass er sie ebenso gut in den Sand setzt. So ist zwar das Finale mit zwei an Hubschraubern hängenden Fregatten, deren Mannschaften sich wie auf hoher See bekriegen, schön gaga und endlich annähernd so over the top wie die Spiele-Showdowns, aber die Effekte sind derart miserabel umgesetzt, dass man sich ständig fragt, ob im Studio Babelsberg wohl der Greenscreen verrutscht ist. So schlampig reinkopierte Figuren hat man in den letzten Jahren in Filmen dieses Budgets selten gesehen.
Selbst ein als nette Reminiszenz gemeinter Spruch wie „Nuns – why does it always have to be nuns.“ wird so vernuschelt weginszeniert, dass schon als Sinnbild dafür gelten kann, wie lieblos das ganze Projekt realisiert wurde.
Fazit: UNCHARTED ist geeignet für alle Fans von NATIONAL TREASURE und THE DAVINCI CODE, jedoch gänzlich ungeeignet für Liebhaber der Uncharted-Spiele, von Indiana Jones oder von guten Filmen im Allgemeinen.