Das West Baden Hotel in Indiana gilt als Karlsbad Amerikas, da es lange Zeit für seine Mineralquellen bekannt war. Hier zu drehen, dürfte der Produktion einiges an Kosten beschert haben, doch auf rein atmosphärischer Ebene war es das wert.
Dokumentarfilmerin Erica (Bethany Joy Lenz) wird beauftragt, Material über den ominösen Milliardär Campbell zu sammeln. Ihr einziger Anhaltspunkt ist eine Flasche Pluto-Wasser aus dem West Baden Hotel. Hier angekommen, ereilen Erica zunehmend Visionen, bis sie auf einen Nachfahren Campbells stößt…
Ähnlich wie in „Shining“ ist auch hier der Hauptschauplatz ein Hotel, welches eine mysteriöse Aura verströmt. Der riesige Kuppelbau, der einer Kathedrale sehr ähnelt, sticht ebenso ins Auge wie einige merkwürdige Angestellte, welche sich auf das „Festival der Widergeburt“ einstimmen. Erica, die nach einem entscheidenden Misserfolg nur belangloses Material für Beerdigungen beisteuert, hat indes so etwas wie den 6. Sinn. Sie sieht Dinge aus der Vergangenheit ebenso, wie sie (offenbar) mentale Verbindungen zu einigen Menschen aufbauen kann.
Autor und Regisseur Paul Shoulberg lässt sich mit seiner Geschichte ein wenig Zeit. Er setzt nie auf jump scares, sondern baut auf kurze Visionen/Halluzinationen, von denen einige mehr, andere weniger Sinn ergeben. Vor allem im Nachhinein betrachtet. Doch auch hier punkten stimmungsvolle Bilder, etwa als ein uralter Zug aus einem Tunnel mitten im vernebelten Wald herausschießt. Überhaupt ist die versierte Kamera einer der auffallenden Pluspunkte des Streifens und auch der Score hat seine starken Momente mit Betonung auf ein Geigenspiel.
Anderweitig fügen sich einige Punkte nicht so recht zusammen, da es auch um Methoden von Dokumentarfilmern bei Interviews geht und wie skrupellos sich einige Vorgänge gestalten, nur um möglichst effekthascherische Aussagen der Interviewten zu erhalten. Derartige Momente gehen oft ins Leere und auch beim Showdown läuft nicht alles rund, da er sich viel zu überhastet gestaltet, was nicht so recht zu der ansonsten ruhigen Erzählweise passt. Über den Ausgang dürfte das Publikum möglicherweise zweigeteilter Meinung sein.
Dennoch liefert „So Cold the River“ phasenweise ansprechenden Stoff, der immerhin einige Gewalteinlagen am Rande mit sich bringt, passable Darstellerleistungen vorzuweisen hat und sogar ordentliche CGI im kleinen Rahmen einzubinden weiß. Spannend gestaltet sich das Unterfangen allerdings nur teilweise, da es mehr auf stimmungsvolle Bilder denn Schocks setzt. Von daher nur bedingt zu empfehlen.
6 von 10