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Auf den ersten Blick scheint es wenig Sinn zu ergeben, vom eigenen Film, der erst vier Jahre alt ist, ein Remake zu drehen. Den Handlungsort verlegte Regisseur Christian Carion von Frankreich nach Schottland und mit Hauptdarsteller James McAvoy konnte er ein international bekanntes Gesicht für sein Projekt gewinnen.

Der beruflich stets auf Reisen befindliche Edmond (McAvoy) kehrt in seine Heimat nach Schottland zurück, als er erfährt, dass sein 7jähriger Sohn aus dem Ferienlager verschwunden ist. Er trifft auf seine Ex Joan (Claire Foy) und ihren neuen Freund Frank (Tom Cullen), welcher sich ein wenig suspekt verhält. Edmond entschließt sich, auf eigene Faust zu ermitteln…

Wie beim Original „Mon garçon“ ließ Carion seinen männlichen Hauptdarsteller mehrheitlich improvisieren, um dadurch intensivere, echt wirkende Emotionen hervorzurufen. Das funktioniert primär in der ersten Hälfte recht gut, da hier die Dramenanteile dominieren, Erziehungsfehler und Schicksalsschläge thematisiert werden, bevor der Stoff im finalen Part zum Thriller übergeht.

Die allgemein bedrückend düstere Stimmung harmoniert mit der Umgebung der Schottischen Highlands und sobald die Spur zu einem abgelegenen Gehöft führt, fügt sich prasselnder Regen und eine schlammige Umgebung recht passend ins Bild. Der nuanciert ausbalancierte Score untermalt stets treffend, nur die Handkamera stört bisweilen mit etwas zu wackeligen Bildern, während die Landschaftsaufnahmen ohne Makel sind.

Die Spurensuche gestaltet sich derweil ein wenig trocken, einige Aspekte kommen etwas zu konstruiert daher, während manche vermeintlich falsche Fährten im Sande verlaufen und nicht näher hinterfragt werden. Auch die Funktion einiger Randfiguren wirkt nicht immer schlüssig, wogegen das Tempo zum Showdown merklich anzieht und auch ein wenig Suspense erzeugt wird, wofür sich eine baufällige Behausung im Halbdunkel durchaus eignet.

Zwar kommt die Geschichte insgesamt nicht sonderlich innovativ daher und es gibt einige unausgegorene Aspekte, doch das Setting und vor allem das starke Spiel von McAvoy und Foy entschädigen für einige Schwachstellen, zumal das Finale einigermaßen ansprechend ausgefallen ist und den Betrachter mit einem zufriedenen Gefühl zurücklässt.
6 von 10

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