Nach der Veröffentlichung der Hammerbox wird auch dieser rare Draculateil seine Besitzer finden, so war dieser etliche Jahre schlichtweg verschollen und gar unmöglich zu bekommen.
Die Story spielt sich gar klassisch ab. Dracula wird von dem Blut seiner Fledermäuse wiedererweckt. Nach und nach greift er sich die Schönheiten des naheliegenden Dorfes. Nach unzähligen Opfern greifen die Einwohner zur Selbstjustiz und stecken Draculas Schloss in Brand. Das man ihn dadurch nicht stoppen konnte bemerkt der Pfarrer anschliessend in seiner Kirche, in der dutzende Frauen, den Klauen und Beisserchen von Vampirfledermäusen zum Opfer fielen. Nachdem ein kleinrebellischer Student namens Paul Carlson, durch seine Myserien mit Frauen, flüchtend das Dorf verlässt, weil der Bürgermeister ihn mit dessen Tochter erwichte, begeben sich Sarah und Simon auf die Suche nach ihm. In einer Schänke, im Wald liegend, in der Paul offensichtlich vorher gewesen zu sein scheint, möchte man sich über dessen Weitergang informieren. Der Kellner und die Gäste sind völlig erstummt, scheinen von der darauffolgenden Rache Draculas, für deren Verrat völlig eingeschüchtert zu sein. So ist es die Bedienerin des Lokals, die letztendlich den beiden verrät, das Paul sich auf dem Weg zum Schloss befindet, nachdem er in der Schänke ungewünscht gewesen zu sein scheint. Im Schloss treten sie erst mal dem gewissen Herrn Dracula gegenüber, der mit seiner charmanten Gastfreundlichkeit heuchelt. Alsbald finden sie Pauls Mitbringsel, doch von ihm keine Spur und so weiss man, dass hier etwas nicht stimmt.
Die nunmehr 6. von 8 Draculateilen von den Hammerstudios ist wie auch zb. Frankensteins Schrecken, der auch Anfang der 70er erschien, einer der Veröffentlichungen, die mit den neuen Methoden von Hammer arbeitet. So lässt sich in den Dialogen und deren Acting schon erahnen wohin sich der Horrorfilm hinentwickeln wird. Nämlich zum heuternannten Teeniehorror. So ist Scars of Dracula zwar ein sehr stimmiger und klassicher Gothic – Horror Film, deren Ursprung man zwar klar erkennt, aber dennoch einige Schemen und Sehgewohnheiten des Hollywoodkinos, welches damals seinen Aufschwung hatte, umgesetzt worden sind. Und das ist nun mal der beiliegende Humor und der aufkommende Sexappeal oder schon Erotik. So sehen wir einen sehr ironisch spielenden Paul, der voller Überheblichkeit jede Frau ins Bett hieven will, etliche wunderschöne Frauen mit schon sehr sehr penetranten Auschnitten. Doch das tut dem Film eigentlich keinen Abbruch. So sind es die stimmigen Kulissen, die zwar in mancher Szene ziemlich künstlich aussehen, aber ihren Zweck erfüllen und klassische Gruselstimmung verbreiten können. Zwar mag man von den Gummifledermäusen die in Puppentheatermanier durchs Bild baumeln eher beschämt belustigt sein, so ist es eben aber genau das, was dem Film seinen Charme verleiht. Ungewöhnlich anzusehen sind die gut gewählten Goreszenen, reichlich Körpersaft kriegen wir in diesem Spät- Hammerwerk zu Gesicht und das Finale wartet mit einem grandios verbannten Gesicht des Draculas auf, der wie immer von Christopher Lee gekonnt verkörpert wird. Wundern tut man sich in diesem Draculafilm nur über die klischeebehafteten Darsteller in der Schänke, die völlig unbegründet Paul, Sarah und Simon empfangen. So ist dies aber genau der rote Faden, ohne den wohl die ganze Story gar nicht funktionieren würde. Logik hin oder her, Scars of Dracula ist eine gewohnt gute Hammerveröffentlichung. Ein Gruselfilm mit ausgezeichneten Kulissen, nebelumhauchten Schloss - und Waldszenarien und dem dazugehörendem Charme den Hammer schon immer sehr gekonnt versprühen konnte. Grossartig.
Fazit:
Gelungene Draculaumsetzung im gewohnt klassischen Gothic- Horrorgewand der Hammerstudios gepaart mit etwas verspieltem Humor und Erotik, die der guten Atmosphäre aber keinen Abbruch tun.
8/10