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Mit „Nächte des Entsetzens“ war die „Dracula“-Reihe endgültig im spekulativen Exploitation-Bereich angekommen, in dem sich die britischen „Hammer Film Productions“ Anfangs der 1970er verstärkt versuchten. Mit der Regie wurde Roy Ward Baker betraut, der die klassische Gothic-Horror-Reihe um „Graf Dracula“ Christopher Lee um eine Fortsetzung bereicherte, die verglichen mit den vorausgegangenen Teilen nahezu eine Splatter- und Gewaltorgie darstellt. Nachdem Dracula von einer kotzenden Fledermaus (Sachen gibt’s…) wiedererweckt wurde, ist mit ihm erwartungsgemäß nicht gut Kirschen essen und als ihm abermals aufgebrachte Dorfbewohner auf den Umhang rücken, rächt er sich in wütender Raserei. Die zahlreichen Fledermäuse sehen dabei zwar alles andere als realistisch aus, aber die blutigen Effekte sind nicht von schlechten Eltern. Auch geht es wesentlich erotischer zu als noch zuvor und einige gut ausgestattete Damen erlauben tiefe Einblicke. Die klassische Wohlfühl-Gothic-Atmosphäre muss da zwar zurückstecken, dafür überzeugt „Nächte des Entsetzens“ aber mit einer gehörigen Portion Kurzweil, zumindest den geneigten Zuschauer. Andere wiederum wenden sich vermutlich nicht mehr nur desinteressiert, sondern geradezu angewidert ab und sind entsetzt ob des Sadismus’ Draculas, der nun auch wieder in seinem Schloss thront und sowohl seine Untergebenen als auch seine Feinde fies malträtiert. Ihm zur Seite steht ein buckliger Gehilfe, der hin- und hergerissen ist zwischen hingebungsvoller Pflichterfüllung und seinen zarten Gefühlen für eines der jungen, weiblichen Opfer seines Herrn. Doch machen wir uns nichts vor: Die Charaktere und somit auch die Darsteller spielen hier neben Lees Dracula-Performance klar die zweite Geige. Ein charismatischer Peter Cushing als Vampirjäger van Helsing fehlt ebenso wie tiefgreifendere Charakterzeichnungen der schon bald mehr wie typisches Slasher-Machetenfutter anmutenden Jünglinge oder eine durchgehende Sorgfalt in Sachen innerer Logik etc. Nichtsdestotrotz gibt es auch Dank des opulenten Schlosses und der Außenaufnahmen von selbigem herab wieder viele schöne Bilder zu bewundern und das Filmteam war erfahren genug, um aus dem Gegebenen ein Maximum herauszuholen, was in einem zum Film passenden Finale gipfelt, innerhalb dessen der Graf unliebsame Bekanntschaft mit den Mächten der Natur machen muss und hart, aber gerecht erneut das Zeitliche segnet. Dracula goes Splatter und ich gehe gerne mit.

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