Mit "Dracula - Nächte des Entsetzens" wurde bereits ein Jahr nach "Wie schmeckt das Blut von Dracula?" der bereits fünfte Vampirfilm mit Christopher Lee in der Titelrolle von Hammer Films auf die Leinwand gebracht.
Die Teile 6 und 7 spielten dann im Swinging London um der kränkelnden Reihe neue Impulse zu verleihen, ein erhebliches Manko, dass Roy Ward Bakers Film fast über die gesamte Laufzeit anhaftet: "Nächte des Entsetzens" mangelt es in eklatanter Weise an frischen Ideen, so dass Teil 5 dem Zuschauer nichts weiter zu bieten hat, was er nicht zuvor schon in den vier vorherigen Filmen gesehen hätte.
Im Zuge veränderter Sehgewohnheiten und dem Verlangen des Zuschauers nach mehr Sex und Gewalt, unterscheidet sich dieser Film von anderen Werken lediglich durch eine Reihe explizit in Szene gesetzter Sadismen und Grausamkeiten, die befremdlich wirken.
Christopher Lee verkommt hier zugunsten einer effektlastigen Inszenierung zu einer blutrünstigen, mörderischen Bestie. Szenen, in denen Dracula mit einem Dolch wie wahnsinnig auf eine Vampirin einsticht, seinen ergebenen Diener mit einem glühend heißen Schwert malträtiert oder eines seiner Opfer mit einer Axt und einer Säge zerlegt und in Säure auflöst, zollen zwar der neuen Marschrichtung innerhalb der Filmgeschichte ihren Tribut, lassen aber auch über weite Strecken den romantischen Charakter der Reihe vermissen, der den Stil der Hammer Filme prägte.
Folgt die Eröffnungssequenz noch ganz klar gängigen Mustern der Reihe, wird schon nach kurzer Zeit deutlich, worauf in diesem Film das Hauptaugenmerk gelegt wird: jede Menge (jugendfreier) Sex und blutige Effekte, wobei die Maskenkünstler wirklich sehr gute Arbeit geleistet haben.
Die Story dagegen ist bis auf den erhöhten Blutzoll altbekannt, die Charaktere sind austauschbar und Christopher Lees Performance erschreckend theatralisch - was vor allem durch die deutsche Synchronisation übelst zur Geltung kommt.
Leicht ergraut und mit dümmlichsten Dialogen gestraft wirken Lees zahlreiche Auftritte lustlos und steif. Der verstärkte Einsatz von blutroten Augenlinsen und scharfen Eckzähnen, die sich mehrmals in die Hälse vollbusiger Damen bohren, können nicht darüber hinweg täuschen, dass hier Christopher Lee ohne jeglichen Biss spielt.
Von der dämonischen Ausstrahlung aus früheren Filmen ist nicht viel zu spüren, was sich auch auf den Unterhaltungswert abfärbt.
So stupide die Storylines früher und nachfolgender "Dracula"-Filme auch waren: "Dracula - Nächte des Entsetzens" ist mit Abstand der schlechteste und langweiligste Film der gesamten Reihe. Literweise Blut und erotische Eskapaden töten jeglichen Anflug von Atmosphäre.
Roy Ward Bakers Machwerk konnte nur noch von "Circus der Vampire" übertrumpft werden, wobei mit beiden Arbeiten eindrucksvoll unter Beweis gestellt wurde, dass Sex und Splatter zwar die Massen anziehen, aber keine Garantien für gepflegte Unterhaltung sind, vor allem dann nicht, wenn man als Regisseur vollkommen untalentiert ist.
3/10