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Dracula hat wieder zugeschlagen. Das bekommen die Bewohner in der Gegend alsbald mit und starten einen Versuch, das Schloss des Vampirs niederzubrennen. Hätten sie damit Erfolg gehabt, wäre der von Roy Ward Baker inszenierte sechste Film des Studios Hammer nach zehn Minuten vorbei. Allerdings ist dem Grafen nicht so leicht beizukommen und so entspinnt sich hier die Geschichte um den Hallodri Paul Carlson, der sich zu dem Schloss verirrt. Sein Bruder Simon und dessen Verlobte Sarah machen sich bald auf die Suche nach ihm.

Grob ist das der Plot und dieser ist sicherlich nicht die Stärke des Gruselstreifens. Dabei hat „Scars of Dracula“ durchaus seine gelungenen Szenen. Insbesondere die ersten und letzten zehn Minuten können was und immer dazwischen, wenn Christopher Lee in seiner ikonischen Rolle als Dracula in Erscheinung tritt, macht der Streifen durchaus Laune. Dabei hat hier Lee mehr Screentime als in seinen sonstigen Auftritten, von elf Minuten ist da immerhin die Rede. Ansonsten allerdings, wenn sich das Skript mit den jungen Protagonisten oder den Dorfleuten auseinandersetzt, da zieht es sich immer wieder mal etwas. Paul, Simon und Sarah versprühen nicht gerade Charisma, Letztere trägt (wie die Frauen hier generell) immer prominent ihr Dekolleté spazieren. 
Lee spielt die Rolle routiniert im positiven Sinne, erzählerisch interessant ist da auch der Interessenskonflikt mit seinem Diener Klove (Patrick Troughton mit wilder Perücke), aus dem man mehr hätte herausholen können. Aber die Schwerpunkte liegen hier nun einmal woanders.

Über manches darf man sich wundern. Immer wieder ergeben sich erzählerische Schlaglöcher (Fenster in der Gruft) und den Klamauk mit Paul und dem Bürgermeister hätte man sich sparen dürfen. Auch die Ausleuchtung ist bemerkenswert, sowohl bezüglich der Interieurs (was eine Kerze alles kann) als auch wenn die helllichte Nacht in finstere Studiobauten des Schlosses übergeht. Diese sehen allerdings chic aus und sorgen mit ihrem umherwabernden Nebel und der ansprechenden Ausstattung für Atmosphäre. Die Sets sind gelungen ausstaffiert und werden in teils knalligen Farben präsentiert. Insbesondere Rot kommt zur Geltung (inklusive Pauls Unterbuxe), da passt es gut, dass es sich bei „Scars of Dracula“ um einen mit Blick auf die Reihe recht ruppigen Vertreter handelt. Blutig und mit solidem Make-up ausgestattet bietet er manch netten Effekt, Dracula wirkt hier weniger wie der Verführer denn wie ein mordlüsterner Patriarch. Auch die Hinter- und Abgründe sind hübsch gemalt, optisch hat der Streifen durchaus seine Momente.

„The flames will never reach him.“

Wenn da eben nicht die blassen Figuren und der immer wieder schleppende Fortgang der Geschichte wären. Dabei bietet „Scars of Dracula“ einige gelungene Sequenzen – wenn Lee im Umhang in Erscheinung tritt, was gerne noch öfter hätte der Fall sein dürfen. Dazu wird es auch mal blutig, der Nebel wabert à la Hammer und die Ausstattung hat was. Der Zwist mit Klove hätte mehr Raum einnehmen dürfen, Anfang und Ende sind flott, der Rest dazwischen hat seine Höhen und Tiefen. Kein schlechter Teil, aber da war mehr drin. 

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