So schmusig wie in dem Song „Blue Bayou“ von Roy Orbison geht es in dem Horrorfilm von Autor und Regisseur Alex McAulay natürlich nicht zu, denn die Produktionsschmiede Blumhouse setzt von Natur aus selten auf Kuschelkurs. Selbst die Annahme, es im Verlauf mit Home Invasion zu tun zu haben, wird auf die Probe gestellt.
Maklerin Jessica (Angela Sarfyan) erhielt soeben Beweise, dass ihr Mann John (Paul Schneider) mit einer Studentin fremdgeht. Der 14jährigen Tochter Anna (Lia McHugh) zuliebe soll die Ehe noch gekittet werden, wozu ein kurzer Urlaub am Rande der Sümpfe von Louisiana dienen soll. Doch schon am ersten Abend tauchen ungebetene Gäste zum Abendessen auf: Die Nachbarn Isaac (Jacob Lofland) und Grandpappy (Doug Van Liew) lassen sich nicht so leicht abwimmeln…
Aufgrund der akuten Beziehungsprobleme ist bis auf die eher neutrale Tochter Anna kein Sympathieträger auszumachen, denn John steht wegen der Affäre im moralischen Minus, Jessica jedoch ebenfalls durch ihre latent gehässige Art. Und Rednecks aus Louisiana, die einen kleinen Gemischtwarenladen betreiben, in dem dubiose Zeitschriften vergangener Jahrzehnte angeboten werden, ist grundlegend nicht zu trauen.
Entsprechend setzt die Geschichte im ersten Drittel auf die unbehagliche Stimmung, die von den freundlich auftretenden Gästen ausgeht. Beide scheinen zumindest schon einmal in dem großen, villenähnlichen Gebäude gewesen zu sein und wissen von einem verschlossenen Raum, während eine schriftliche Notiz von Grandpappy bereits in eine bestimmte Richtung deutet, die ein wenig vom Terror einer üblichen Belagerungssituation abweicht.
Ab dem Mittelteil halten entsprechende Wendungen ganz gut auf Trab, denn es gesellen sich einige Komponenten aus dem Bereich Mystery hinzu, während andere Ansätze eher irdischen Motiven folgen. In Sachen Gewalt sind indes nicht mehr als zwei Einlagen auszumachen und im Bereich der Spezialeffekte wird etwas mit Pyrotechnik gespielt und ein Raubtier per CGI allenfalls zweckdienlich eingebunden.
Ein Pluspunkt ist der minimalistisch gehaltene Score der Marke 80er Synthiemusik, welche zunächst im Kontrast mit der sonnendurchfluteten Umgebung zu stehen scheint, sich im Verlauf jedoch als dynamische Untermalung herauskristallisiert. Ebenfalls überzeugend sind die treffend besetzten Mimen, von denen Lofland als undurchsichtiger Isaac die meisten Facetten präsentiert und Van Liew den kauzigen Alten mit angenehmer Zurückhaltung verkörpert.
Im Kern gestaltet sich die Geschichte nicht sonderlich innovativ, obgleich sich einige Twists im Kontext eines kleinen Verwirrspiels als effektiv erweisen. Die Erzählung kommt relativ rasch auf den Punkt und trotz der überschaubaren Figurenkonstellation spielt der Stoff weitgehend geschickt mit Erwartungshaltungen und behält sich sogar vor, mit einem Cliffhanger eine eventuelle Fortsetzung ins Spiel zu bringen.
Ein kleiner, jedoch ansehnlicher Horror-Happen.
6,5 von 10