Ein Stau in einem Tunnel ist für Caroline Edh (Noomi Rapace) nichts Ungewöhnliches, doch als bewaffnete Soldaten auftauchen und die Fahrzeuge durchsuchen, kriecht sie zu ihrer Tochter auf die Rückbank, um sich mit ihr zu verstecken. Vergeblich, denn das kleine Mädchen wird verschleppt, während ihre Mutter nichts dagegen tun kann.
Viele Monate danach hat sich die Welt verändert: ein Krieg ist ausgebrochen, Millionen Menschen sind vor einem Aggressor aus dem Norden Richtung Süden geflüchtet und Caroline wird mit einem Güterzug zu einem der vielen Flüchtlingslager transportiert, von wo aus sie zu einer kleinen Gruppe militärischer Spezialisten stoßen soll, die eine waghalsige Kommandoaktion durchzuführen haben. Am Weg dorthin wird sie in einen Hinterhalt gelockt, den die toughe Schwedin jedoch bravourös meistern kann - viel schwieriger wird jedoch ihre bevorstehende Mission, bei der sie mit fünf anderen ausgewählten Soldaten einen als Wunderwaffe deklarierten Stoff hunderte Kilometer über zugefrorenes Meer und verlassene Inseln Richtung Norden zur letzten Basis direkt an der Front bringen soll. So macht sich das halbe Dutzend dann im Schutz der Dunkelheit auf Schlittschuhen auf den Weg. Doch nicht nur die ständig präsente Gefahr, von schnell auftauchenden Helikoptern entdeckt und beschossen zu werden begleitet die vier Männer und zwei Frauen, sondern auch das Mißtrauen untereinander...
In seiner Dystopie Operation schwarze Krabbe läßt Regisseur Adam Berg mit Naomi Rapace, David Dencik, Dar Salim und Jakob Oftebro gleich mehrere, dem Nordic-Noir-Freund wohlbekannte Gesichter auflaufen, um in einem gelungen bedrohlichen Setting die zur Überlebensfrage der Menschheit hochstilisierte Wunderwaffe, die den Krieg beenden soll, überbringen zu lassen. Doch trotz beeindruckender Bilder kilometerweit vereister Flächen, die neben den nicht vorhandenen Versteckmöglichkeiten vor unvermittelt auftauchenden Gegnern zusätzlich auch noch tückische Passagen dünnen, einbruchsgefährdeten Eises enthalten, will sich mit zunehmender Dauer des Films keine zusätzliche Spannung mehr einstellen, denn das Drehbuch verzichtet komplett auf jegliche Hintergrundinformationen zum vorherrschenden Krieg und zum anonym aus Hubschraubern feuernden und selten in weißen Schneetarnanzügen auftauchenden Gegner und läßt das Publikum bis zum Ende allein mit dem Überlebenskampf der Hauptdarsteller, die im Laufe der Zeit erwartungsgemäß dezimiert werden.
Das ist doppelt schade, denn einerseits spielt Rapace als toughe Einzelkämpferin Edh mit weichem Kern gewohnt routiniert genug (was in gleichem Maße für Dar Salim als verhinderten Antiquitätenhändler Malik oder Jakob Oftebro als undurchsichtigen Leutnant Nylund gilt) um den Film zu tragen, andererseits böte das gewählte Thema diverse Anknüpfungspunkte spannender Subplots, auf die leider konsequent verzichtet wird oder die nur völlig unzureichend kurz angerissen werden.
Allein die Actionszene mit der MP unter dem Tisch (nach ca. 50 Minuten Laufzeit), die wegen ihrer technischen Aspekte (Sichtbarkeit von der Tür aus, Schußwinkel und Trefferradius) schon interessant genug ist, wirft hinsichtlich der "Bediener" dieser Vorrichtung und des Einsatzes derselben in genau jener Szene schon jede Menge Fragen auf, deren Beantwortung hinsichtlich der Motivation der Kriegsüberlebenden durchaus informativ ausgefallen wäre, hätte man sich denn um eine Klärung bemüht. Doch das bewohnte Haus auf Arholmen verschwindet genauso schnell im Nichts wie ein im Eis eingefrorener ehemaliger Luxusdampfer, für den gerade mal ein paar wenige Minuten eingeplant wurden. Weder dessen waagerecht nach unten wachsende Eiszapfen im schräg liegenden Gang im Schiffsbauch - dank moderner Computertechnik genauso sauber inszeniert wie sich vergrößernde Risse im Eis aus der oft verwendeten Drohnenperspektive - sind dem Drehbuch ein längeres Verweilen wert: stattdessen wird eine halbe Stunde vor Schluß eine (grundsätzliche) ethische Frage aufgeworfen, die das Publikum bis zum Ende bei Laune halten soll.
Fazit: ein streckenweise bildgewaltiger Film, der storytechnisch mangels (fast) jeglichen Backgrounds jedoch schnell im Eis festfriert (um in der Bildsprache zu bleiben) und überraschungsfrei auf ein erwartbares Ende zusteuert. Schade, da wäre durchaus mehr drin gewesen: 5,51 Punkte.