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"Bonditis" ist eine längst vergessene Schweizer Bond-Parodie, die in der Schweiz und Deutschland im Kino lief, dies jedoch so erfolglos, dass sie die Kinokarriere des Regisseurs Karl Suter frühzeitig beendet haben soll. Erstaunlicherweise existiert auch eine englische Synchronfassung.

Der Biedermann Frank Born (der deutsche TV-Darsteller Gerd Baltus, der gut in die Rolle passt mit seinem Ohrfeigengesicht) leidet unter Tagträumen, in denen er Abenteuer als Agent erlebt und die er nicht von der Realität unterscheiden kann. Für seinen Psychiater ist die Sache klar: Ein akuter Fall von "Bonditis" (!), weshalb er ihn zur Erholung in die Schweizer Berge schickt. Dort gerät er ins Kreuzfeuer internationaler Agenten. Wieso hab ich nicht verstanden. Zu wenig aufgepasst.

Der Streifen ist eine über weite Strecken öde Klamotte, mit Gags auf dem Niveau einer Peter-Alexander-Komödie.
Ein paar positive Punkte gibt es trotzdem zu vermerken.
In den 60ern entstanden, also in der Zeit der goldenen Bond-Ära mit Connery, hat das teils eine vergleichbare Atmosphäre und Ästhetik. Nur gibts hier keine exotischen Locations und spektakulären Stunts. Sondern die Schweizer Berge (mit einigen schönen Aufnahmen) und Effekte auf dem Niveau, dass etwa aus einem Mona-Lisa-Bild in einem Hotelzimmer eine künstliche Hand hervorkommt und dem Gast das Frühstücksei (in dem ein Mikrofilm vermutet wird) klaut. Obwohl: So weit von gewissen Bond-Gimmicks ist das auch wieder nicht entfernt.
Zwei, drei Gags sind auch gelungen, etwa wenn sich nerviges Hühnergegacker als Morse-Code entpuppt.
Und im Finale, mit Helikoptern, Fallschirmspringern und Schiessereien, kommt dann sogar fast sowas wie Bond-Stimmung auf. Das Setting in der Schweizer Schneelandschaft und die Leute mit ihren unifarbenen Vintage-Klamotten erinnern natürlich in erster Linie an "Im Geheimdienst Ihrer Majestät". Vor allem für Schweizer ist auch die Schlussszene amüsant, die während der Zürcher Tradition des Sechseläutens spielt.
Erfreulich ist auch die Schweizerin Marion Jacob in der Rolle der Agentin Hata Sari (!). Die hat genug Charisma, dass man sie sich auch als richtiges Bond-Girl vorstellen könnte (die Diana-Rigg-Frisur trägt sie vergleichbar gut wie das Vorbild). Erstaunlich dass man von ihr nix mehr gehört hat.

Fazit: Eine harmlose und grösstenteils langweilige Bond-Parodie, die einzig ein etwas abwechslungsreicheres Finale und ein Hauch "originaler" 60er-Jahre-Bond-Atmosphäre aufwerten.
Eine offizielle DVD/Blu-ray-Veröffentlichung existiert übrigens nicht.

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