In den 1960ern erfreute sich Gothic-Horror größter Beliebtheit, so dass auch Italo-Regisseur Mario Bava mit einem weiteren Werk dieses Genres beauftragt wurde. 1966 erblickte „Operazione paura“ alias „Die toten Augen des Dr. Dracula“ das Licht der Leinwand, wobei der deutsche Titel einmal mehr nicht viel mit dem Inhalt und – ebenso wie in ein, zwei Sätzen gegen Ende ärgerlicherweise auch die deutsche Synchronisation – krampfhaft auf die „Dracula“-Thematik getrimmt wurde. Bei „Operazione paura“ handelt es sich mitnichten um einen Vampirstreifen, sondern um eine schöne, klassische Geistergeschichte im Gothic-Horror-Ambiente inkl. typischer Genrezutaten wie einem Dorf mit verschlossenen, abergläubischen und ängstlichen Bewohnern, das ein dunkles Geheimnis birgt, einem alten Schloss voller Nebel, Spinnengewebe und einer verschrobenen Bewohnerin und natürlich einem weltlichen Mann, der nicht an Übersinnliches glaubt und dem Spuk auf den Grund gehen möchte, da er zunächst von einer logischen Erklärung überzeugt ist – hier in Form des Arztes Dr. Paul Eswai, dargestellt von Giacomo Rossi-Stuart. Die mysteriösen Todesfälle scheinen mit der Erscheinung eines kleinen Mädchens in Zusammenhang zu stehen, das, wie sich herausstellt, bereits vor einiger Zeit gestorben ist… Mario Bava nimmt auch diesen Film wieder zum Anlass seiner experimentierfreudigen Kameraarbeit und künstlich-künstlerisch ausgeleuchteten Kulissen, die die Realität verfremden und sie unwirklich bis surreal erscheinen lassen. Beim Umgang mit den unterschiedlichen, satten Farbtönen übertreibt er es diesmal fast ein wenig, was etwas zu Lasten der ansonsten wunderbar schaurigen Gothic-Atmosphäre geht. Einige härtere Szenen, so beispielsweise direkt beim Prolog eingesetzt, setzen Akzente und reißen die Handlung und ebenso den Zuschauer pointiert aus ihrer (Alp-)Traumwelt. Die musikalische Untermalung leistet ihren Anteil zur geheimnisvollen, bedrohlichen Stimmung des Gezeigten. Die Namen der Schauspieler sagen mir ehrlich gesagt nichts, sie machen ihre Sache aber gut, wenn sie auch Bava-typisch von der in Besitz nehmenden Optik eher in den Hintergrund gedrängt werden. Mit „Operazione paura“ verstand es Bava geschickt, mithilfe seiner Markenzeichen eine geradezu traditionelle Geschichte ungewöhnlich und interessant in Szene zu setzen und sozusagen die Klassik mit der Moderne zu verbinden. Auf seine Art zeitlos.