Live Action Rollenspiele erfreuen sich durchaus einiger Beliebtheit. Je mehr Leute daran teilnehmen und innerhalb einer tauglichen Umgebung mit entsprechender Ausstattung in ihre Figuren eintauchen, umso interessanter. Im Film fand ein derartiges Konzept bereits Verwendung, etwa in „Das Experiment“. Der italienische Regiedebütant Roberto Zazzara greift die Prämisse auf und gestaltet den Einstieg so stimmungsvoll, dass es im Nachhinein betrachtet besser gewesen wäre, daraus ein reines Drama zu gestalten, als auf eine halbgare Horrorschiene umzusteigen.
In einer weitläufigen Bunkeranlage findet ein aufwendig inszeniertes Rollenspiel statt: Die Nazis gewannen den Zweiten Weltkrieg, doch seit dem darauf folgenden Atomkrieg leben sie in einem Bunker. Als ein Stromausfall den Abschluss des Events überschattet und die meisten Teilnehmer die Anlage verlassen haben, scheint es jemand oder etwas auf die kleine Gruppe der Veranstalter abgesehen zu haben…
Zazzara lässt das Publikum ohne Umschweife in die fiktive Parallelwelt eintauchen, in der die Historie einen etwas anderen Verlauf vorweist. Da zunächst niemand aus seiner Rolle ausbricht und noch eine Strafe für einen Verräter ansteht, wähnt man sich aufgrund einer grundsoliden Ausstattung und einigen glaubwürdig gekleideten Statisten tatsächlich in einer solchen Szenerie. Mit einem anschließenden Abschlussball und manchen Figuren, die Teile der realen Welt wieder in den Fokus rücken, bröckelt jenes Szenario natürlich, wobei der fließende Übergang genau den richtigen Ton angibt, um die Grundlage für ein anschließendes Gruselszenario zu liefern.
Doch genau darin liegt das dicke Manko, denn es stellen sich weder Schrecken noch Spannung ein. Die überschaubare Gruppe von sechs Leuten erweist sich als durchweg unsympathisch und irrational handelnd, indem jeder für sich einen Ausgang zu finden versucht und anbei die Riege dezimiert wird. Dabei gehen einige Leute im Off drauf, anderen widerfährt ein wenig kreatives Dahinsiechen. Oder es entstehen grobe Schnitzer, indem eine Glasscherbe im Bauch platziert wird, welche kurz darauf in der Brust fest steckt. Die dazugehörigen Effekte sind kaum der Rede wert und von mitreißenden Konfrontationen kann erst gar nicht die Rede sein.
Dabei geben die Räumlichkeiten der Anlage eigentlich einiges her, da zuweilen recht effektiv mit Licht und Schatten gespielt wird, die Kamera passabel liefert und die Ausstattung mit zahlreichen ominösen Requisiten für Abwechslung sorgt. Auch der Score arbeitet tauglich und setzt primär in den ruhigen Momenten mit Erfolg auf eine beklemmende Atmosphäre, doch darüber hinaus ist nichts zu holen. Im Gegenteil: Der Showdown, der sich wie eine weitere halbgare Konfrontation mit dem Bösen anfühlt, unterstreicht in allen Belangen die Ideenlosigkeit der Macher.
Bei genauerer Betrachtung ist auch die Motivation der Entität grober Mumpitz, da es hierfür die Dezimierung der letzten Anwesenden nicht gebraucht hätte, was abermals für das löchrige Drehbuch spricht. Die brauchbaren Ansätze täuschen am Ende nicht darüber hinweg, wie harmlos und wenig essenziell die vermeintlich tödliche Situation im Bunker ausgearbeitet wurde, denn ein Mitfiebern ist genauso wenig gegeben wie Empathie gegenüber den wenigen Figuren. Schade um das atmosphärische Drumherum.
3,5 von 10