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Als Kinovariante des TV-Hits „Ju-on: The Curse“ gehörte „Ju-on: The Grudge“ bald zum Kanon der Asia-Gruseler, der noch binnen Jahresfrist ein Ami-Remake erhielt.
Es geht um nicht viel: Ein Haus, in dem ein blutiges Verbrechen geschah, wie die Credits es bereits andeuten, und in dem nun rachsüchtige Geister Sühne für die Tat suchen, wie eine Texttafel aufklärt. In der Folgezeit verirren sich nun verschiedene Menschen, darunter Angestellte eines Pflegedienstes, Polizisten oder neugierige Jugendliche in das Haus und müssen den Konsequenzen ins Gesicht sehen…
Tatsächlich beginnt in einem 15-Minuten-Takt, nach dem man beinahe die Uhr stellen kann, eine neue Episode, benannt nach der jeweiligen Hauptfigur, und das Ende besagter Geschichte ist meist der Exitus des Titelgebers/der Titelgeberin der Episode. Und wenn das nicht eintritt, dann wird diese meist in einer der nächsten Geschichten dran glauben müssen. Insofern interessiert sich „Ju-on: The Grudge“ nicht groß fürs Geschichtenerzählen im klassischen Sinne, sondern dampft den Gruselfilm auf das Wesentliche ein, nämlich die immer neuen Gruselepisoden.

Was nicht bedeutet, dass „Ju-on: The Grudge“ keine Kohärenz besäße: Tatsächlich stehen die einzelnen Storys in Beziehung zueinander, bedingen sich teilweise sogar gegenseitig, werden aber nicht immer in der richtigen Reihenfolge erzählt. So ergibt sich erst am Ende des Films ein Gesamtbild der Geschehnisse – welches im Endeffekt aber doch reichlich egal ist, da die Enthüllungen dem Film kaum zusätzliche Finesse verleihen. Wären es verschiedene Häuser, verschiedene Geister und vollkommen zusammenhangslose Geschichten, es würde kaum an der Qualität des Films sägen.
Was auch daran liegt, dass die Geister ihre Fähigkeiten immer so entwickeln oder entdecken, wie es dem Drehbuchautoren gerade passt: Scheinen sie bei ihrer Opferwahl im Grunde genommen an das Haus gebunden zu sein, so gibt es immer wieder Momente, in denen sie sich putzmunter anderswo verlustieren, in einer Geschichte besitzen sie die Fähigkeit einen Hausbesucher in die Zukunft sehen zu lassen (auch wenn der Zuschauers dies erst später entschlüsseln kann) – all das wirkt willkürlich, allein auf den Effekt bedacht.
Aber effektiv ist „Ju-on: The Grudge“ tatsächlich: Die Schockeffekte sitzen, mit allen technischen Mitteln (gerade auf der Tonspur) erzeugt Takashi Shimizu Gänsehaut beim Zuschauer und entlädt die Spannung in teilweise vorzüglichen Schockszenen. Da stört es auch kaum, dass er auf das allseits bekannte Inventar das asiatischen Gruselfilms zurückgreift, gerade die langhaarige Frau, deren Gesicht man nicht groß sieht, darf natürlich nicht fehlen.

Man kann argumentieren, dass die Geschichte in vielen Asia-Gruselern beliebig und nur Mittel zum Zweck ist, doch kaum einer stellt dies so aus wie „Ju-on: The Grudge“. Das ist konsequent, aber auch ein Eingeständnis erzählerischer Schwächen – über welche die ähnliche gruselige, aber besser gescriptete Ami-Fassung anno 2004 etwas drüberbügeln konnte.

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