„Lightning strikes twice“, wie der Englischsprechende so gern behauptet, aber das heißt noch lange nicht, daß zwei Blitze auch von derselben Güteklasse sein müssen.
Inzwischen ist „Ju-On – The Grudge 2“ auch bei uns zu haben (zumindest die Kinoauswertungen von Takashi Shimizu) und man kann dem Verlauf des unerbittlichen Todesfluchs weiter folgen.
Visuell effektiv wird der Schrecken weitergesponnen und alle nötigen Elemente sind wieder dabei: die kapitelhafte Erzählform, die nicht-chronologische Anordnung einzelner Episoden, die nominelle Hauptfigur, die etwas länger durchhält als andere.
Nur: neu ist das jetzt alles nicht mehr!
Sicherlich, der Schrecken wirkt bisweilen noch hervorragend (so etwa mit den Todesfällen zu Beginn, in dem ein junges Paar von Haaren erwürgt wird, nachdem sie ihr eigenes Todesklopfen schon Nächte zuvor vernommen haben), aber manches wirkt eben schon ausgenützt. Ständig hüpft im Hintergrund der Geisterjunge durchs Bild, lugt unter Decken oder Tischen hervor und seine Mama sorgt für mörderisches Ableben. Garniert ist das mit dem alten Gag, den Geist sozusagen per Schwangerschaft in der Welt re-inkarnieren zu lassen. Daß etwa eine komplette Kreissaalbesetzung dran glauben muß (in einer in der Phantasie sehr geschmacklosen Geburtsszene), ist zwar fein, aber erzählerisch bringt es den Film nicht weiter, sondern verweist nur blank auf eine mögliche weitere Fortsetzung.
Und auch der weibliche Geist, der ja schon im Vorgänger eher eine Kopie von Sadako (aus „Ringu“ war) wirkt nicht mehr so terrorverbreitend. Ergo hätte man sich irgendeinen möglichen Fortschritt gewünscht, aber schlußendlich bleibt nur das frisch geborene Geisterkind und die vage Vermutung, daß das Haus inzwischen nicht mehr besessen ist (aber wer weiß das schon...).
Gruselfans können sich trotzdem damit einen feinen Abend machen, aber qualitativ ist die Geisterfilmserie damit langsam am Abebben. Atmosphärisch versteht hier jedoch das Team sein Handwerk (6,5/10)