Review
von Leimbacher-Mario
Mutter in Flammen
„Resurrection“ gilt als einer der Kritikerlieblinge im Horrorbereich aus dem letzten Jahr, konnte bisher jedoch noch nicht wirklich seine Runden bis in unsere Breitengrade vergrößern. Das wird von irgendeinem Publisher (fast egal ob Streaming oder Heimkinodisc) in diesem Jahr hoffentlich schnellstens geändert. Denn die intensive Horrorcharakterstudie mit Rebecca Hall als vom Ex verfolgte Dame in psychologischer Not hat mehr Aufmerksamkeit oder zumindest Meinungen verdient… Oder anders gesagt: ich will mich mit irgendwem über dieses psychologisch-tentakelige Werk unterhalten, verdammt nochmal! ;)
Es gibt in „Resurrection“ ein Bild von Tim Roth mit einem teuflischen Lächeln und riesigen, weißen Zähnen, das einem nicht mehr aus dem Kopf geht. Erst recht wenn man den ebenso bleibenden großen Monolog von Rebecca Hall gehört hat, der ein faszinierendes Trauma und eine grauenhafte Metapher (?) preisgibt und über dessen Auflösung am Ende man streiten kann. Über dessen verstörende Kraft gibt’s meiner Meinung nach aber keine zwei Meinungen. „Resurrection“ ekelt und fasziniert zugleich. Er erinnert man an höllische Thriller von Polanski mit zwei überragenden Darstellern, schwerwiegenden Themen und einem Hauch Lynch. Das ist bizarr, das ist barbarisch, das ist clever, das ist untergründig, das ist emotional zerstörerisch. Roth bleibt undurchsichtig und absolut terrifying. Hall's Entwicklung von einer starken Frau zu einer zerstörten Seele, deren Risse wieder schmerzhaft aufbrechen, kommt erstaunlich glaubhaft rüber. Und die unglaubliche Kraft einer toxischen Beziehung und eines unvorstellbaren Traumas war selten für mich filmisch spürbarer. Daher gibt’s 'nen „sehr gut“ von mir. Mit leichten Abzügen durch die letzten Entscheidungen, die aber die Ambivalenz, Vagheit und Tiefe des Stoffes zum Glück nicht ganz nehmen.
Fazit: extrem eindringliches und vielschichtiges Psychogramm, das wortwörtlich tief unter die Haut geht. Einen legendär fiesen Tim Roth und mit Frau Hall eine der besten zur Zeit viel im Genre arbeitenden Damen zu bieten hat. „Resurrection“ wäre ein gutes Doppel mit „Men“ und wird laaange bei mir bleiben. Erst recht als werdender Vater… Unangenehm unklar.