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Auf gleich mehreren Ebenen spielt der Titel, beruhend auf dem gleichnamigen Bestseller-Roman von Taylor Adams mit der Ausweglosigkeit, des Gefangenseins. Konzipiert als Thriller mit kammerspielartigen Momenten hantiert Regisseur Damien Power einige Zeit geschickt mit Unbehagen und Misstrauen, wendet sich dann aber zu überstürzt allseits bekannten Genremustern zu.

Als Darby, die in einer Entzugsklinik verweilt, die Nachricht von ihrer todkranken Mutter erhält, macht sie sich kurzerhand auf den Weg und gerät in einen Schneesturm. Notgedrungen hält sie an einer Raststättenhütte, wo bereits vier weitere Reisende festsitzen. Bei einem Gang nach draußen entdeckt Darby ein geknebeltes Mädchen in einem Van, - einer der Anwesenden muss ein Entführer sein…

Darby erhält als potenzielle Heldin zwar keinen detaillierten Background, doch der frühere Drogenkonsum, gepaart mit der kollektiven Ablehnung ihrer Familie lässt zunächst auf keinen sonderlich zuverlässigen Charakter schließen. Leider befinden sich in jener Hütte eben nur die wenigen Leute und anders als im ähnlich gelagerten „Identität“ mit John Cusack gestaltet sich das Rätselraten eher überschaubar. Allerdings schürt der Schneesturm, gepaart mit der isolierten Situation eine recht dichte Atmosphäre und der ausgewogene Score von Marco Beltrami setzt ein paar gelungene Akzente.

Das gegenseitige, kritische Beäugen beim Kartenspiel erzeugt genauso viel Argwohn wie einige Gänge nach draußen, nur um mal eben den ohnehin nicht vorhandenen Handyempfang zu überprüfen. Jedoch ist die Identität des Entführers recht früh enttarnt und die Gangart wechselt zu einem kleinen Katz-und-Maus-Spiel, bei dem der angrenzende Wald ebenso eingebunden wird, wie Außenbereiche der teils maroden Hütte. Einige Wendungen sind dabei erahnbar und gegen Finale häufen sich einige Unwahrscheinlichkeiten und irrationale Ansätze.

Die wenigen Gewalteinlagen vermögen inszenatorisch zu überzeugen und auch darstellerisch ist nichts zu bemängeln, wobei Hauptdarstellerin Havana Rose Liu stets nah an der Grenze zum Overacting performt, sich in entscheidenden Momenten jedoch aufs Wesentliche konzentriert. Das versucht Regisseur Power auch, doch er fällt manchen vorhersehbaren Abläufen zum Opfer, die trotz einiger Spannungsmomente entsprechende Kniffe vermissen lassen. Für mehr als ein „ganz nett“ reicht es von daher nicht.
Knapp
6 von 10

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