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Staffel 1

Seitdem sich die einst florierende Bergbauindustrie zurückgezogen hat, ist in der dänischen Kleinstadt Middelbo nichts mehr los. Doch vor 17 Jahren schlug hier ein Meteorit ein, just in den Gemüseladen, wie es heißt. Dessen geschäftstüchtiger Eigentümer errichtete daraufhin das Meteoritenmuseum, in dem die Bruchstücke gezeigt werden und seitdem für ein bißchen Attraktivität in der ansonsten öden Provinz sorgen.
Die Schülerin Emma (Malaika Berenth Mosendane) verdient sich als Fremdenführerin in jenem Museum etwas dazu. Als sie gerade wieder einer Schulklasse ein ausgestelltes Stück des Meteoriten zeigt, schmeißt ein vorwitziger Bub das gute Stück zu Boden, wo es in tausend Stücke zerspringt. Emma ist sehr erstaunt über die wie Glas oder Ton, nicht jedoch wie Felsstücke anmutenden Bruchstücke und befragt den Museumsdirektor dazu, bekommt dazu jedoch keine Antworten sondern wird entlassen. Dafür lernt sie über ihre Schulfreundin Marie (Andrea Heick Gadeberg) eine Gruppe von Gleichaltrigen kennen, die unter der Führung von Mads (Albert Rudbeck Lindhardt) die offizielle Lesart vom Meteoriteneinschlag ablehnen und stattdessen felsenfest davon überzeugt sind, daß vor 17 Jahren ein Raumschiff mit Außerirdischen in Middelbo gelandet ist. Zur Untermauerung ihrer These beobachtet die konspirative Gruppe ihre Mitmenschen ganz genau (vor allem jene, die sich damals in der Nähe des vermuteten Raumschiff-Absturzes aufgehalten hatten) und notiert akribisch Dinge, die ihr merkwürdig erscheinen.
Einer der Verdächtigen ist der Lehrer Hans, der Emma eines Tages zu einer Besprechung in sein Haus bittet. Zunächst zögerlich geht Emma auf Anraten der Gruppe darauf ein - sie soll eine Spionagesoftware auf seinem PC installieren. Doch Hans hat Emma seltsamerweise dann doch nichts mitzuteilen und verläßt eilends sein Haus. Emma spürt, daß es dort im Keller etwas Merkwürdiges zu geben scheint, schleicht sich später noch einmal ein und entdeckt dort pilzähnliche Gewächse. Als sie von Hans dabei erwischt wird, taucht eine geisterhafte Gestalt auf, die sich unheimlich schnell bewegt und Hans überwältigt. Während Emma unbehelligt bleibt, taucht der Lehrer Hans, von dem es heißt, er habe überraschend Urlaub genommen, dann jedoch nicht mehr auf. Dafür lernt Emma einen gewissen Lucas (Anders Heinrichsen) kennen, der ihr von einer außerirdischen Gefahr erzählt...

Mit ihrer Kurzserie Chosen verknüpfen die beiden dänischen Produzenten und Drehbuchautoren Mosholt und Potalivo Sci-Fi-Motive mit einer Coming-of-Age-Geschichte, wobei der Fokus stets auf der Hauptfigur Emma, einer 17-jährigen afro-dänischen Schülerin liegt, die altersentsprechend noch ihren Platz im Leben sucht und deren Perspektive der Zuschauer einnimmt. Dabei gibt es neben zwischenmenschlichen Aspekten auch einige Versatzstücke bekannter Sci-Fi-Thematiken zu entdecken, die langsam aber sicher immer wichtiger, ja lebensentscheidend für Emma werden. In 6 Folgen zu je etwa 40 Minuten baut sich dabei vor dem Hintergrund einer typischen Kleinstadt (deren Handlung freilich überall in Europa spielen könnte) ein Mystery-Szenario auf, das trotz vieler speziell auf die junge Zielgruppe zugeschnittener Passagen langsam aber sicher eine gewisse Spannung generiert, der man sich nicht entziehen kann.

Gleichwohl das Budget von Chosen nicht sonderlich hoch gewesen sein kann, sind die wenigen computergenerierten Szenen sauber implementiert, der Plot einigermaßen stringent erzählt und mit Malaika Berenth Mosendane auch eine gleichsam realistisch agierende wie sympathische Hauptdarstellerin vorhanden. Auch die anderen Schauspieler, Jugendliche wie Erwachsene, vermutlich hauptsächlich Laiendarsteller, liefern sämtlichst eine angemessene Performance. An der einen oder anderen Stelle mag man über den schrägen Humor(?) der Autoren stolpern ("Hi Süße, *kuss*" - "du stinkst aber nach Kotze" - "ja, ich mußte auch kotzen" oder auch "ich hab einen neuen Job" - "Toll, was ist es denn?" - "Ich reinige Toiletten" - "Na immerhin ein Anfang"), sofern dies überhaupt humorvoll gemeint war, denn auf Comedy-Elemente verzichtet die Serie zugunsten der Spannung ansonsten komplett.

Der Knackpunkt jedoch ist die letzte Episode, die die bisherigen Fäden zusammenführt, den Zuschauer aber mit fast noch viel mehr Fragen zurückläßt, als jenen, die im Laufe der 5 Folgen zuvor aufgekommen sind. Das mag das übliche Vorgehen für eine erwartete 2. Staffel sein, in diesem Fall jedoch scheint die Story - vor allem im Hinblick auf Emma - tatsächlich abgeschlossen zu sein, so zumindest meine Interpretation. Somit bleiben die meisten übernatürlichen Ereignisse jedoch ungeklärt, was das speziell an Außerirdischen interessierte Sci-Fi-Publikum wohl eher wenig zufriedenstellen dürfte. Für die in gemächlichem Tempo erzählte, dafür weitgehend spannende dänische Independent-Serie Chosen reicht es dennoch für 6 Punkte.

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