Seit einigen Jahrhunderten entdecken und erforschen die Menschen die Erde, doch Expeditionen in der Arktis fanden vergleichsweise spät statt. Da es schlichtweg mehr Spaß macht, mit einem Schiff entlang Südamerikas zu schippern, als in Grönland im unnachgiebigen Eis zu stochern. Den auf wahren Begebenheiten beruhenden Überlebenskampf zweier Polarforscher schildert die dänisch-isländische Koproduktion des Regisseurs Peter Flinth.
Cpt. Mikkelsen (Nicolaj Coster-Waldau) kehrt 1909 erfolglos von seiner ersten Grönlandexpedition zurück und will sogleich zu einer weiteren aufbrechen, um die Streitigkeiten zwischen Dänemark und USA um die Zugehörigkeit Nordostgrönlands endgültig zu klären. Zögerlich meldet sich der Maschinenbauer Iver (Joe Cole) als Begleitung und so brechen die beiden mit Proviant und Schlittenhunden zu einem Himmelfahrtskommando auf…
Die so genannte Alabama-Expedition nahm deutlich mehr Zeit in Anspruch als geplant, was das erste Scheitern der Erkundungen bereits andeutet. Technische Hilfsmittel tendierten gegen null und es mussten einige hundert Kilometer durchs Eis zurückgelegt werden, um zu belegen, dass die Peary Passage gar nicht existiert, wodurch Grönland automatisch zu einem Eiland deklariert würde.
Interessant ist anfangs die unterschiedliche Erwartungshaltung der ungleichen Forscher, da der erfahrene Captain Mikkelsen kaum eine Gefühlsregung zulässt und stoisch auf ständige Konzentration während der Reise pocht, während der deutlich jüngere Iver eher etwas naiv und abenteuerlustig scheint und sich darüber hinaus eigentlich zu gut mit den Schlittenhunden versteht, die im Zweifel als Nahrung dienen müssen.
Gedreht in Island und Grönland sind die eisigen Weiten durchaus beeindruckend, was die Kamera zwar solide einfängt, dabei jedoch weitgehend auf Luftaufnahmen verzichtet, was die Ausmaße der Strecken womöglich besser verdeutlicht hätte. Anbei werden (relativ beliebig) die bereits vergangenen Tage der Expedition eingeblendet, zuweilen vergehen auch schon mal Wochen zwischen den Ereignissen.
Und jene gestalten sich leider zu selten spannend oder gar mitreißend. Zwar zeugen die Gesichter von den Strapazen und die Kleidung wirkt mit der Zeit arg verschlissen, Proviant wird knapp und die Schlittenhunde weniger, doch bis auf den Angriff eines Eisbären und das Hangeln an einem Abgrund sind nicht allzu dramatisch inszenierte Momente auszumachen. Da hätte die eine oder andere prekäre Situation durchaus etwas ausgeschmückt werden dürfen, da zwischen den Männern keine Konflikte entstehen, anderweitig aber auch recht wenig von ihnen preisgegeben wird.
Wobei auf darstellerischer Ebene grundsolide und mit vollem Einsatz performt wird, ohne dass einer der beiden je drüber ist. Coster-Waldau und Cole bilden jederzeit ein glaubhaftes Gespann, während in Nebenrollen Charles Dance als Minister und Heida Reed als Love Interest überzeugen können. Auch der Score ist breit gefächert und wird eher angenehm zurückhaltend eingesetzt.
Das Fesselnde, das Zwingende kommt innerhalb der rund 102 Minuten deutlich zu kurz, wogegen die Kulisse und die Ausstattung auf der Habenseite zu verbuchen sind. Zwar werden die Torturen der langwierigen Expedition zwischenzeitlich spürbar, doch das Mitfiebern hält sich aufgrund tatsächlich prekärer Situationen in Grenzen, wodurch hier eher beinharte Genrefans ausgesprochen eisiger Gefilde angesprochen werden.
6 von 10