Review

„Das Urteil – Jeder ist käuflich“ erweist sich gewohnt unterhaltsames Grisham-Entertainment in bekannten Bahnen.
Ein Amoklauf kostet insgesamt 11 Menschen das Leben, woraufhin die Witwe eines Opfers einen spektakulären Prozess anstrebt: Sie will einen großen Waffenkonzern verklagen, weil dieser leichtsinnig und wissentlich Schnellfeuerwaffen für kriminelle Käufer zugänglich macht. Dies scheucht die Waffenlobby natürlich auf, denn bei einem Sieg wäre ein Präzedenzfall geschaffen und die Klagen würden sich häufen. Damit packt „Das Urteil“ ein brisantes Thema an und präsentiert sich als sehr aktueller Film.
Der aufrechte Anwalt Wendell Rohr (Dustin Hoffman) vertritt die Witwe, doch die Verteidigung holt den gerissenen Geschworenenberater Rankin Fitch (Gene Hackman) heran. Dieser soll Geschworene aussuchen, die gegen die Witwe stimmen oder notfalls erpressbar sind. Rohr glaubt zu sehr an die Gerechtigkeit und muss erst von dem Geschworenenberater Lawrence Green (Jeremy Piven) überredet werden ihn für 30 Prozent seines üblichen Honorars zu nehmen. Mit dieser dem deutschen Rechtssystem unbekannten Strategie begibt sich „Das Urteil“ auf ein ungewohntes Feld und kann so aus der Masse der Gerichtsfilme herausstechen.

Etwas seltsam erscheint Nicholas Easter (John Cusack), doch beide Parteien lassen ihn als Geschworenen zu. Aber Nicholas spielt sein eigenes Spiel. Über seine Freundin Marlee (Rachel Weisz) macht er sowohl Anklage als auch Verteidigung ein Angebot: Sie können das Urteil kaufen, denn er beginnt die anderen Geschworenen zu beeinflussen...
Das Szenario von „Das Urteil“ ist ungewohnt, denn hier rücken mal nicht die Anwälte, sondern die Geschworenen in den Blickpunkt. Vor allem die realitätsnahe Schilderung der Beobachtung und Manipulation von Geschworenen ergibt wirklich interessante Perspektiven, die einen Großteil des Reizes von „Das Urteil“ ausmachen. Denn es wird erschreckend genau geschildert, so dass man vermuten kann, dass diese Praxis in den USA zum Alltag gehört. Auch die gegenseitigen Manipulationen der verschiedenen Parteien, die jeder das System der anderen überlisten wollen, bieten eine willkommene Abwechslung zu reißerischen Plädoyers und was sonst noch die Gerichtsfilme dominiert.
Die Geschichte kommt etwas langsam in Fahrt, ist aber die meiste Zeit über ziemlich spannend. Die Wendungen sind clever erdacht und nur ein paar davon erweisen sich als vorhersehbar. Zwischendurch könnte sich der Film dann auch mal etwas kürzer fassen, aber echte Längen sind nicht zu beklagen. Zudem halten kleine Spannungshöhepunkte (z.B. der Einbruch bei Nicolas) den Zuschauer bei Laune, indem sie kurz Tempo und Spannung anziehen.

Allerdings gibt es auch etwas zu bemängeln: So ist Grisham-typisch der Sieg des Gerechten vorprogrammiert und auch die Figuren lassen sich zumindest am Ende sehr klar in gut und böse einteilen – Grauzonen sind hier mit der Lupe zu suchen. Immerhin ist das Szenario teilweise herrlich unmoralisch und wirft Fragen über das amerikanische Rechtssystem auf – auch wenn der Film andrerseits betont, dass Richter alleine vielleicht eine zu große Macht hätten.
Dustin Hoffman ist hier einfach zu gut und idealistisch, weshalb er leider etwas blass wirkt. Jeremy Piven agiert überzeugend, ist aber sträflich wenig zu sehen, während Gene Hackman gewohnt gut den fiesen Sack abgibt. So bleiben die besten Leistungen Rachel Weisz und den Darstellern der Geschworenen vorbehalten (darunter z.B. Bill Nunn, Cliff Curtis oder Luis Guzmán). Klarer schauspielerischer Höhepunkt ist der gewohnt grandiose John Cusack, der mit Charme wie Können überzeugt. Aber auch die restlichen Darsteller (z.B. Leland Orser, Dylan McDermott oder Bruce Davidson) machen alles in allem einen guten Job.

So bleibt eine der besten Grisham-Verfilmungen, was an dem interessanten Szenario liegt. Aber leider kommt der Film etwas langsam in Fahrt und das Ende ist sehr bieder (vor allem im Vergleich zum Rest des Films), so dass man noch nicht von einem Highlight reden kann.

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