Bereits in den ersten Minuten wird mit einer Rückblende in Harvey Pekars Jugend der Ansatz dieser Comic-Verfilmung vermittelt. Neben Superman, Batman und Green Latern steht Pekar unverkleidet zu Halloween vor einer Haustüre und bricht bei der begriffstutzigen Nachbarin entnervt seine kläglichen Bemühungen nach Süssigkeiten mit einem "I'm just a normal Kid!" ab.
Der Film spult einige Jahrzehnte vor, der Grimm und die Tristesse ist geblieben. Pekar schlägt sich mit Stimmbandproblemen herum, die seine eh schon zuweilen skurille Kommunikation mit seinen Mitmenschen zusätzlich akustisch erschwert, was z.B. in einer herrlich tragik-komischen Szene gipfelt, in der seine damalige Frau von einem Beziehungsende abzubringen versucht.
Dass sich seine Stimme nie ganz erholt hat, macht der echte Harvey Pekar in den diversen Kommentar-Einschüben deutlich, mit denen neben Comiczeichnungen, Tricksequenzen, Filmschnipseln etc. immer wieder die Geschichte gebrochen wird, was dem Film einen collagenhaften Eindruck verleiht und in seiner Erzählstruktur wohltuend von anderen sogenannten "Loser"-Filmen abhebt. Ausserdem ist der Versuch einer eher klassischen Comic-Visualisierung auf filmischer Ebene abseits der beliebten Split-Screens mehr als lobenswert und zumindest geschickt bewerkstelligt.
Pekar ist mit dem berühmten Underground-Zeichner Robert Crumb befreundet, der sich neben anderen Zeichnern zur Verfügung stellt, Pekars ungeschönten Alltag zu illustrieren. "American Splendor" wird ein Hit und für eine kurze Zeit bekommt die Tristesse in Pekars Leben einen Aufwind. Der "Karriere"-Höhepunkt bildet das Sidekick-Dasein des Comic-Autors in der David Letterman-Show und er lernt seine ebenfalls nicht gerade vom Leben verwöhnte spätere Frau Joyce kennen.
Aber kein biographischer Film ohne ein paar zünftige Dramen: Pekar erkrankt an Krebs und unterzieht die Ehe damit einem einjährigen Martyrium...
"American Splendor" ist eine - nicht nur visuell - äusserst interessant gestaltete Aufarbeitung der "Loser"-Thematik, in der sich jeder Zuschauer ähnlich wie in "Ghost World" mehr oder weniger wiederfinden kann. Paul Giamatti gibt einen großartigen Griesgram und sein Freund sowie Jelly-Bean-Fachmann Toby wird kongenial von Judah Friedlander darstellt - alleine den beiden bei der Arbeit zuzuschauen ist ein Genuß!
In einer Szene macht sich Toby zu einer vierstündigen Fahrt zu einem Kino auf, dass den Film "Revenge of the Nerds" zeigt und man bekommt das Gefühl, dass dies ein guter Alternativ-Titel zu "American Splendor" ist. Jede Figur in diesem Film leidet mehr oder weniger an einer gewissen Form von Autismus, die in der Figur des Toby fast bis zur Karikatur zum Ausdruck kommt - dabei scheint er am authentischsten gespielt zu sein. "I consider myself a nerd." - aber wer ist das nicht? Ob sich die Obsession nun auf Filme, Fussball, Jelly-Beans, Comics oder das eigene vermeindlich nichtsnutzige Dasein beschränkt, ein bißchen Pekar bzw. Toby steckt in jedem von uns. Das macht den Film so anrührend und auch etwas deprimierend - Harvey hat den Krebs besiegt, Letterman bloßgestellt, die Frau für's Leben gefunden und man hat sein Leben verfilmt ...eine reife Leistung - so klein kann das Leben also nicht sein.