Inhalt: Im Jahr 2045 wird eine kleine Gruppe unterschiedlich motivierter Menschen in einem Haushalt eingesperrt und von den intelligenten Haushaltsmaschinen überwacht um keinen Ärger zu machen.Fazit: Überraschend, skurril, schräg und herrlich abgefahren. Und das für eine Netflix-Produktion! Okay, das mit dem Sarkasmus sollte ich nochmal überdenken, aber wer die Filme von J-P Jeunet (Alien 4, Delicatessen, Die Stadt der verlorenen Kinder, Die fabelhafte Welt der Amelie, Mathilde) gesehen hat, hat sich oft in sie verliebt, ihre Züge und Eigenarten zu schätzen gelernt. Da überrascht es nicht das ein Kerl wie Jeunet mit Firmen und Produzenten aneinander gerät, seine Ideen und Visionen missverstanden werden, weil zu speziell, zu abgefahren und zu wild. Während die Welt des massentauglichen Films stagniert. Filmemacher nicht mehr gefordert und gefördert werden, Kontraste und Innovationen nicht mehr erwünscht sind, ausser man spielt noch soviel Geld in die Kasse, dass die Produzenten dann ein Auge zudrücken, kann man Jeunet hierzu nur beglückwünschen. Er musste sich nämlich an den Streaminganbieter Netflix wenden, damit er überhaupt eine Chance bekam "Bigbug" erzählen zu dürfen, und siehe da die gesellschaftskritische SciFi-Komödie zeigt bitterböse, auf übertreibend amüsante Art und Weise wie man eine bizarre Story auf engstem Raum bzw. in einer Wohnung erzählen kann. Natürlich gab es das über Jahrzehnte gestreckt schon in X-Film-Varianten (u.a. "Abwärts", "Das Fenster zum Hof", "Die 12 Geschworenen", "Buried", "127 Hours", "Der Gott des Gemetzels") und man wird nicht müde zu sagen: Klaustrophbie und Egomanen in richtigen Dosen machen irgendwie immer einen bösen Spass! Jeunet schafft es auch diesmal keine Langeweile aufkommen zu lassen, auch wenn es hier und da mal kurz klamaukig wird. Die schwarzhumorige Note setzt immer direkt danach ein, sodass ein befreites Lachen oft schon schwierig wird und der Hals von alleine auszutrocknen scheint. Mir haben die fiesen Wendungen, das Setting, die Kameraarbeit von Thomas Hardmeier (Do not disturb, 22 Bullets), der Schnitt von Jeunets Stammeditor Herve Schneid und der gute Cast viel Freude bereitet.