Review
von Leimbacher-Mario
Menschliche Katastrophe
In der oscarnominierten Kurzdoku „Lead Me Home“ (auf Netflix abrufbar) kommen obdachlose Amerikaner zu Wort - unter Tränen, unter Wahrheiten, unter Schmerzen und unter dem Druck des Lebens und einer Gesellschaft, die sie nur allzu gerne verschwinden sehen würde…
Dass Amerika unglaublich viele Obdachlose auf und unter seinen Straßen hat, dürfte kein Geheimnis sein. Das System ist zweigeteilter denn je, marode, unsozial. Die Schere ist extrem und nicht mehr aufzuhalten. Und dennoch sollte das natürlich weder ein Problem sein, das man als unlösbar ansieht und akzeptiert, noch eines, das man einfach verdrängt oder als normal ansieht. Und die armen Leute an sich sollten eh überhaupt nicht als Problem angesehen werden, das möglichst sauber und leise beseitigt werden kann. „Lead Me Home“ macht das teilweise eindrucksvoll, objektiv und in sich ruhend klar, mit traurigen Interviews und Aussagen der direkt Betroffenen. Andererseits bietet er weder Lösungsmöglichkeiten noch Hilfen. Nicht mal im Ansatz. Und er könnte teilweise sogar als „Armutsporno“ interpretiert werden. Perfekt, rund und abschließend ist das nicht gelöst. Aber das geht bei dem Thema wohl auch gar nicht. Die Songs und bewegende Soundkulisse berühren. Die tragischen Einzelschicksale natürlich noch mehr.
Fazit: nachwirkende, emotionale, aber eigentlich null helfende oder lösungsorientierte Kurzdoku über das „Obdachlosenproblem“ in den USA. Und hierzulande sieht es vielerorts leider kaum besser aus - das kann man als freiwilliger Tafelwagenfahrer aus erster Hand berichten…