Review

In dem animierten Musical „Inu-Oh“ zeichnet Masaaki Yuasa die Beziehung des missgebildeten Inu-Oh und des blinden Musikers Tomona nach. Im Japan des 14. Jahrhunderts suchen beide mit der gemeinsamen Sprache der Musik nach Erlösung. Präsentiert wird dies als Anime mit einigen rockigen Einlagen, der musikalische Faktor ist hier essentiell und nimmt somit auch eine zentrale Rolle ein. Dabei verbinden die Lieder nicht nur die Schicksale der beiden Protagonisten, sie geben auch Einblicke in die Geschichte. Sowohl in die der Charaktere, als auch in die Japans. Die Songs sind okay, wenn auch mitunter nicht von viel Abwechslung durchzogen, aber immerhin stilistisch sich von dem restlichen Szenario abhebend. Dass solche Klänge nicht ins mittelalterliche Setting passen ist klar, doch lässt man sich darauf ein, funktioniert das durchaus.

Alles vor historischer Kulisse, sodass auch geschichtliche Ereignisse miteingewoben werden. Da geht es mal um die nach der Vormachtstellung strebenden Clans, mal um die Konkurrenz zwischen klassischen Darbietungsformen der Kunst zu modernen Strömungen. Letzteres ist ein zeitloses Thema, sodass man sich in das Szenario trotz der fremden Epoche gut einfühlen kann. Oder die Steuerung von Trends bis hin zur Zensur – da lässt sich hier und da was rauslesen.
Im Zentrum stehen aber die beiden Herren Inu-Oh und Tomona, ihre Schicksale und deren Bewältigung, ein bisschen Rebellion und ein bisschen mehr Stadion-Rock-Atmosphäre. Dies flankiert von ansprechenden Animationen unter Mithilfe des Rechners hier und da. Interessant auch die Visualisierung der Blindheit, es gibt Blicke von innen und außen, was die Präsentation noch um Ebenen erweitert.

„Egal was passiert, wir sind jetzt hier.“

Das zeitlose Thema Tradition vs. Moderne, dazu die Integrität der Kunst und / oder derer, die sie erschaffen. Neben der menschlichen Seite spielt auch dies eine zentrale Rolle in „Inu-Oh“ und am Ende in Moll bleibt ein eigenwilliger und audiovisuell immer wieder ansprechender Anime. In mancher Szene eine Spur zu ausgewalzt bietet Yuasa einen Blick auf das mittelalterliche Japan aus einer rockigen Perspektive, welches zwei Außenseitern eine Stimme gibt. Keine Stangenware.

Details