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„Wir shredden auf dem Nachlassplan des Sensenmanns?!“ – „Schlechtes Karma...“

US-Regisseur Greg Huson debütierte 1996 mit der romantischen Komödie „Decaf“ und es dauerte bis ins Jahr 2002, bis er sein Zweit- und bis dato Letztwerk mit „Shredder“ ablieferte, einem waschechten Teenage-/Twen-Slasher, der 2003 unmittelbar nach solch aufmerksamkeitserregenden Publikumslieblingen wie „High Tension“ und „Freddy vs. Jason“ erschien, sich allerdings noch im selbstironischen Fahrwasser der „Scream“-Reihe und deren Nachahmern befand. Und während man über Filme wie die genannten sowie Beiträge wie „Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast“ und „Düstere Legenden“ spricht, erinnert sich kaum jemand an den Film dieses Inhalts:

„Ich laufe nicht Ski – ich shredde!“

Cole (Scott Weinger, „Full House“) plant einen Snowboard-Urlaub mit seiner Freundin Kimberly (Lindsey McKeon, „California Highschool 2“). Diese lädt jedoch kurzerhand ihre gesamte Clique ein, denn Kimberleys vermögende Eltern haben gerade das Skifahrgebiet gekauft. Obwohl es derzeit noch gesperrt ist, verschaffen sie sich Zutritt. Dies ruft nicht nur den örtlichen Sheriff (Seth Reson) auf den Plan, sondern auch eine in schwarzer Skikluft gekleidete Gestalt, die das partywütige Jungvolk nach und nach dezimiert und beharrlich auf die Einhaltung der Skiregeln pocht. Hat der französische Austauschschüler Christophe (Brad Hawkins) etwas damit zu tun…?

„Wir könnten auch in Unterwäsche rumlaufen, bis er uns tötet!“

„Shredder“ firmiert unter Horrorkomödie und tatsächlich handelt es sich um einen nicht nur selbstironischen, sondern die Grenze zur Persiflage überschreitenden Slasher, der jedoch von seiner Überzeichnung zehrt und auf Slapstick und Klamauk dankenswerterweise verzichtet. Nicht unoriginell sind das Aufgreifen des Snowboard-Trends und die damit verbundene Winterlandschaft als Kulisse, die bereit ist, den roten Lebenssaft unbedarfter Twens aufzusaugen. Nach einem splatterigen Mord im Prolog werden die Charaktere sowie ein Whodunit? eingeführt, als Verdächtiger tritt der Franzosen-Schönling auf den Plan und natürlich gibt auch den Unheil verkündenden Warner – soweit das Schema F. Dass dazu nicht zwingend nackte Haut gehört, bewies manch Slasher der 1990er- und 2000er-Jahre, Huson indes setzt verstärkt auf Nacktheit und Sex, und zwar auf die egoistische Variante verwöhnter Gören, die sich schlicht nehmen, was sie wollen, ohne Rücksicht auf irgendwelche Gefühle zu nehmen – was sich somit gut in den Kontext des Films einfügt.

„Du kannst mich nicht töten – ich bin nämlich noch Jungfrau!“

Das Pochen des Killers auf die Einhaltung der Skifahrregeln ist einerseits eine lustige Übertreibung des Slasher-Mördern häufig implizierten überspitzen Moralismus, bekommt jedoch glücklicherweise im Verlaufe der Handlung auch die Hintergrundgeschichte eines zu Tode gekommenen kleinen Mädchens verpasst. Als mitverantwortlich dafür entpuppt sich Christophe, der zudem dann doch gar kein Franzose ist – was die Blondine trotzdem nicht davon abhält, es mit ihm zu treiben. Wenig überraschend ist es da, dass der Mörder schließlich auch ihn über die Klinge springen lässt, denn der rote Hering seiner Verdächtigung war schon sehr offensichtlich. Vom Vater des toten Mädchens wird Christophe gewissermaßen abgelöst. Bis zur Enthüllung der Identität des Wahnsinnigen versuchen sich Huson und sein Team bisweilen an kreativer Kameraführung und ebensolchen Perspektiven, verfallen mitunter in etwas hektische Schnitte und unterlegen den in Kellog, Idaho gedrehten Film mit einigen Melodicore-Songs. Bis zum Finale hat „Shredder“ durchaus Spaß gemacht, doch die Enthüllung des Killers will nicht so recht überzeugen, zu wenig fand er in der vorausgegangenen Handlung statt. Gesplattert wird dann noch einmal in einer Schneeraupe und damit dem titelgebenden Schreddern seine Zweideutigkeit verliehen, als Showdown ist das aber – auch wenn es sich sicherlich anders liest – etwas unspektakulär und ziemlich schnell zu Ende.

Es wäre also definitiv mehr drin gewesen in diesem häufig angenehm frechen Selbstironie-Slasher-Nachzügler, der mittels Sex und Gewalt ganz ordentlich auf die Tube drückt. Die TV-Serien-Sternchen und No-Names der Darstellerriege eignen sich gut als Opfer; dass es diesmal kein Final Girl, sondern einen männlichen letzten Überlebenden gibt, verpufft aber als Überraschungseffekt, denn dafür sind einem die Rollen zu egal. Aber wer wünscht arroganten, neureichen und trendy Snowboard-Sunnyboys und -girls nicht Hals- und Beinbruch? Für kurzweilige Unterhaltung eignet sich „Shredder“ allemal, ebenso als Appetithappen vorm Skiurlaub...

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