John Hamburg, Co-Autor von der klasse Komödie Meine Braut, ihr Vater und ich, hat sich noch einmal Ben Stiller gegriffen, um mit ihm erneut eine Komödie zu drehen. Das Ergebnis ist ...Und dann kam Polly, das gern als romantische Komödie präsentiert wird—allerdings bar jeder Romantik. Ob das funktioniert? Nicht so wirklich.
Reuben Feffer (Ben Stiller) ist Risk Manager und auch im privaten Leben äußerst vorsichtig. So weiß er, dass die Erdnüsse in einer Bar jede Menge Krankheitskeime enthalten oder Salsatanzen ein hohes Verletzungsrisiko birgt. Sein Leben, das er bis ins kleinste Detail durchgeplant hat, hält er für sicher und standfest, doch seine frisch angetraute Frau Lisa (Debra Messing) betrügt ihn bereits in den Flitterwochen mit dem gut gebauten französischen Tauchlehrer. Reuben kehrt frustriert nach New York zurück, wo er Polly Prince (Jennifer Aniston), eine alten Schulkameradin, über den Weg läuft. Nicht schlecht, denkt sich Reuben, war Polly früher doch ein Mädchen, das mit beiden Beinen auf dem Boden stand und viel mit ihm gemein hatte. Dumm nur, dass Polly sich inzwischen zur "liebenswerten" Chaotin geändert hat, die durch die Welt reist, ohne Plan in den Tag lebt und als Kellnerin jobbt. Reuben weiß natürlich, dass für einen, der das Risiko scheut, der erste Schritt der schwierigste ist, aber weil er sich bald schon in Polly verliebt hat, ist ihm klar, dass er seine Neurosen überwinden muss, will er Polly näher kommen.
Das klingt arg konstruiert und ist es auch. Zudem klaubt sich die Komödie sämtliche altbewährte Hilfsmittel zusammen, um sich als solche schimpfen zu können. Fäkalwitze, die humoristisch leider fast schon dominieren, abstoßende Nebenfiguren wie Reubens guter Freund, der abgewrackte Schauspieler Sandy (Philip Seymour Hoffman) und Situationskomik, die eigentlich keine wäre, würden die Figuren, allen voran Reuben, nicht so verklemmt, naiv und doof reagieren. Reuben hätte z.B. gut dem verstopften Klo in Pollys Wohnung entgehen können, hätte er sich getraut nach einer neuen Rolle Klopapier zu fragen. Der Humor wird in ...Und dann kam Polly sicher nicht neu erfunden, die Witze zünden nicht sonderlich oft. Überhaupt wirken eine Menge Szenen bis ins Negative überdreht, was übel aufstößt. Dem sympathischen Ben Stiller nimmt man seine Dümmlichkeit dank seines Kleinjungen-Charmes zwar ab, aber ist insgesamt dann doch zu viel des Guten. Einzig innovativ kann hier noch das halb blinde Frettchen Rodolfo gelten, das ständig irgendwo dagegen rennt.
Zentrales Thema von ...Und dann kam Polly ist die sich anbahnende Beziehung zwischen Reuben und Polly—und ausgerechnet die stellt das größte Problem des Filmchens dar. In keiner einzigen Szene ist ein Anflug von Romantik zu verzeichnen, nie nimmt man den beiden ab, dass sie ineinander verliebt sind. Hinzu kommt noch die Charakterzeichnung der beiden Figuren. Reuben ist ein Trottel mit liebenswerten Macken, aber eine wirkliche Persönlichkeit hat er nicht. Die chaotische Polly wirkt immer so, als hätte sie etwas zu verbergen. Sie wirkt abwesend, teilweise arrogant und überdreht—und trotz übermäßiger Bildschirmpräsenz hat man immer das Gefühl, als wüsste man rein gar nichts von ihr. Und obwohl sie als bunte junge Frau dargestellt wird, gewinnt sie kein bisschen an Tiefe, so sehr sich Jennifer Aniston auch darum bemüht. Man kann noch nicht einmal behaupten, dass einem Polly sonderlich sympathisch wäre; was zum Teil sicher auch an der grausigen deutschen Synchronstimme liegt.
So wie der hölzernen Liebesbeziehung fehlt auch dem ganzen Film an Emotionen und Herz. Dass Reuben seine Ehefrau mit einem anderen im Bett erwischt, scheint ihn z.B. kaum mitzunehmen und auch als er sich zwischen Polly und Lisa entscheiden muss, kommt kaum der innere Konflikt zum tragen, der ihn hier eigentlich hätte mitnehmen müssen.
...Und dann kam Polly ist zwar nicht langweilig, und dank Alec Baldwins herrlicher Rolle als Reubens Chef und einigen kleinen Lachern, die der Film hie und da doch ernten kann, bleibt ...Und dann kam Polly doch noch erträglich. Er ist halt durch und durch berechenbar und nach dem allbewährten Hollywood-Muster "Schema F" gestrickt, ihm fehlt Herz, Tiefe und aufrichtige Sympathie für seine Figuren, aber gerade das Schema F hilft dann wohl doch noch die Karre einigermaßen unbeschadet aus dem Dreck zu ziehen. Wobei hier keineswegs die Hauptdarsteller Ben Stiller und Jennifer Aniston wirklich glänzen, sondern Alec Baldwin und das Frettchen Rodolfo. Irgendwie schade.