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Was bitteschön bringt Ben Stiller eigentlich dazu, immer wieder für das gleiche Drehbuch zu unterschreiben? Muß die gemütliche Routine und der Gehaltsscheck sein, denn anders ist es nicht zu erklären, daß er in „...und dann kam Polly“ denselben analfixierten Typen wie in „Meine Braut, ihr Vater und ich“ oder „Verrückt nach Mary“ spielt, der über die volle Filmlänge seiner Angebeteten hinterherhechelt, um sie am Ende natürlich zu bekommen.
Natürlich hat er immer einen kuriosen Namen (Greg Focker, Ted Stroehmann und hier eben Reuben Feffer) und kommt dabei in allerlei peinliche Situationen, die man ihm aber irgendwie leichter verzeiht als seine sonstigen Macken.

Insofern gleicht „...Polly“ den anderen Filmen bis aufs Haar. Stets wären die gewissen Problemchen gar nicht so brenzlig, wenn Stillers Figur sie nicht stets noch schlimmer machen würde und auch wenn er kaum der Traum irgendeiner Frau werden könnte, kann ihm dank seiner halb-traurigen Niedlichkeit das Mitleid aller gewiß sein. Und genauso logisch gewinnt er am Ende immer das Herz der Traumfrau.

Doch im dritten Durchlauf wirkt das hier etwas bemüht, bzw. konstruiert, wenn man das Drehbuch betrachtet. Mit der Brechstange werden hier zwei Leute zusammengeführt, die sonst im Leben nicht eine Sekunde darauf verschwendet hätten, miteinander zusammenzuleben. Gegensätze müssen sich mal wieder anziehen: der von der frisch gebackenen Ehefrau betrogene Sicherheits- und Sauberkeitsfanatiker und die unkonventionelle, über den Erdball hüpfende Kellnerin.

Leider ist zur gängigen Vorhersehbarkeit nichts wirklich Originelles eingefallen, als wieder mal etwas sanften Gross-Out ins Spiel zu bringen und diesen dann mit etwas Slapstick zu würzen. Stiller darf mit Reizdarmsyndrom einen ordentlichen Haufen in Anistons Klo setzen, worauf natürlich das Papier alle ist (und er sich natürlich nicht traut, nach neuem zu fragen) und er eine Überschwemmung verursacht und alte Familienerbstücke ruiniert.
Bei den Körperfunktionen beschränkt man sich sonst aber übermäßig auf Flatulenzen (selbst Baldwin darf mal in die Kamera furzen!) und auf die leichten Tierquäereien mit dem fast blinden Wiesel Rodolfo.

Während Stiller also nach Kräften rumhampelt und neurotisch ist, besticht Jennifer Aniston durch ihre „Friends“-erprobte sympathische Frische und Schrägheit. Aber dennoch könnte sie wesentlich mehr, wenn sie das Drehbuch nicht mal wieder im Stich lassen würde.
Trotzdem ist jede Szene mit ihr ein Gewinn.
Den Film stiehlt schließlich (mal wieder) Philip Seymour Hoffman als Stillers engster Freund, ehemaliger Jugendarsteller (der Running Gag, daß er in einem Breakfast-Club-ähnlichen Film namens „Crocodile Tears“ Dudelsack gespielt hat, zieht sich durch den ganzen Film) und nun notgedrungener Amateurschauspieler, der sich schön peinlich und polternd, aber stets hilfreich durch alle Szenen quält. Auch wenn das nicht die feine Feder des Humors ist, die hier geschwungen wird, haben die Szenen mehr Klasse als der bemühte Holzhammerhumor für die Hauptfigur.

Es gibt also etwas zu Lachen, allerdings sind (das wird langsam zum Fluch) wirklich die spektakulärsten Szenen ALLE im Trailer enthalten, so daß man die wider dem möglichen Überraschungsmoment alle einfach abarbeitet, bis zum Happy End.

Insgesamt eine nette Komödie für alle Altersklassen und Pärchen insbesondere, aber keine cineastische Sternstunde. Hatte aber auch keiner erwartet. (6,5/10)

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