Wieder eine Ben-Stiller-Komödie und wieder geht es wie schon bei „Meet the Parents“ und „There’s Something about Mary“ um missglückte oder halberfolgreiche Liebesbeziehungen. Viel Neues ist John Hamburg, der am Drehbuch von „Meet the Parents“ und „Zoolander“ beteiligt war, nicht eingefallen und so präsentiert sich „Along came Polly“ als lauwarmer Aufguss bekannter Stiller-Probleme.
Seine Figur Reuben Feffer ist auch hier wieder mit einem eigenartigen Namen gesegnet und ist in seiner Verhaltensweise seinen Vorgängern Gaylord Focker und Ted Stroehmann sehr ähnlich. Als Risikokalkulator ist er stets darauf bedacht sein Leben nach Plan zu leben und jedem Risiko aus dem Weg zu gehen. Nicht so ganz nach Plan verlaufen seine Flitterwochen, denn seine Braut geht umgehend mit einem Tauchlehrer fremd...
Wieder zu Hause angekommen, versucht ihn sein Freund, der mit einem Kassenerfolg in Kindertagen bekannt gewordene und inzwischen abgehalfterte Sandy Lyle (Philip Seymour Hoffman), aus der Lethargie zurück zu holen, was dann dazu führt, dass er einer alten Schulkollegin namens Polly Prince („Friends“ – Star Jennifer Aniston) über den Weg läuft. Die ist die lebende Spontanität, zieht durch die Welt, isst mit den Händen und stapft auch ansonsten recht sorglos durch das Leben.
Eigentlich sollten sich die Witze aus diesen beiden gegensätzlichen Charakteren entwickeln, doch das Gegenteil ist der Fall. So nett die Anbandelung auch ist, die guten Witze werden woanders gemacht und sind leider schon fast komplett im Trailer verwurstet worden. Das halbblinde Frettchen ist eine Lachnummer für sich, nur getoppt durch Stiller, der unter anderem Pollys Klo zuscheißt, kein Klopapier parat hat und dann eine Katastrophe auslöst. Typisch Stiller eben, der aus einem einfachen Problem ein Desaster zaubern kann. Als netter Running-Gag darf nebenher ein extrem sportlicher Millionär Base-Jumpern und Alec Baldwin seine Nudel präsentieren. Natürlich nur von hinten, damit man es nicht sieht.
„Along came Polly“ hat seine guten Stellen, an denen man lachen kann – keine Frage. Doch insgesamt muss er sich der Harmlosigkeit geschlagen geben, denn auf einem guten Gag folgen fünf schwache und das ist bei einer Nettolaufzeit von gerade mal 80 Minuten leider etwas zu wenig. Da fehlt der schwarze Humor in der Suppe und der Schuss Unverfrorenheit, der „Meet the Parents“ so erfolgreich machte.
Zuviel Konventionalität schadet dem Film zusätzlich. Die Tanzeinlagen sind nett, lassen Ben Stiller aber nicht so wie sonst zum Zug kommen. Dazu gesellen sich einige standardisierte Situationen wie das peinlichen Zusammentreffen mit den Eltern und das urplötzliche Auftauchen der Ex. Der dünne Faden zwischen den beiden Gegensätzen droht zu zerreißen, aber erstens sind wir in Hollywood und zweitens soll der Film Kasse machen...
Ben Stiller müht sich hier wieder redlich mit akrobatischen Einlagen das Erbe Jim Carreys anzutreten. Leider wird er dabei etwas vom Drehbuch im Stich gelassen. Den gutmütigen Tollpatsch, der sich selbst in die unmöglichsten Situationen bringt, gibt er aber inzwischen mit Hingabe.
Jennifer Aniston hat hier kaum Mühe, gibt sie in „Friends“ doch einen ähnlich unbekümmerten und leicht dummen Charakter ab, der ebenfalls nicht immer weiß, was er will. Optisch natürlich ein Schmankerl, keine Frage.
Fazit:
„Along came Polly“ ist eine nette, harmlose Komödie, die die bekannte Stiller-Chose aber nur wieder aufwärmt und nicht das Niveau seiner vorherigen Filme erreicht. Die wirklich guten Gags entstehen nicht aus der Romanze, sondern aus Stillers Unfähigkeit ein Problem mal auf die simpelste Weise zu lösen. Für eine wirklich gute Komödie sind die funktionierenden Gags zu selten, als Film für zwischendurch aber immer noch zu gebrauchen.