Zwischen Klaustrophobie und Freilandabenteuer bewegt sich der Überlebenskrimi von Regisseur Howard J. Ford. Während eines Katz – und Maus-Spiels, dem Actioner „Cliffhanger“ nicht unähnlich, hangelt sich die Geschichte von Felsen zu Felsen, entwickelt dabei allerdings kein ausgeprägtes Gefühl für Distanzen.
Eigentlich wollte Kelly (Brittany Ashworth) mit ihrer Freundin eine Klettertour in den Dolomiten antreten, doch am Abend zuvor wird jene von vier Psychopathen um Josh (Ben Lamb) ermordet, was Kelly zufällig filmt. Auf der Flucht vor den vier Verfolgern verschlägt es die Kletterin in die Felswände…
Das simpel gestaltete Drehbuch gibt sich kaum Mühe, die vier toxischen Gestalten auch nur ansatzweise ambivalent zu gestalten. Anführer Josh scheint vor Jahren schon einmal ein Verbrechen vertuscht zu haben, während ihm seine Buddys beinahe blind folgen und sich folgerichtig immer tiefer in die Misere bugsieren. Kelly feiert indes den traurigen Jahrestag, an dem ihr Freund in den Bergen verunglückte, während einige Rückblenden von glücklichen Zeiten zeugen und ihr entsprechende Kraft verleihen. Wobei der mentale Ansporn einige Male ins unfreiwillig komische abdriftet.
Der größtenteils in Serben realisierte Film spielt zwar die meiste Zeit an Steilwänden oder Felsvorsprüngen, doch zuweilen griff man auf Studiobauten und CGI-Backgrounds zurück. Dabei arbeitet die Kamera zwar weitestgehend sauber, doch sie bedient sich nur selten der Totalen, wodurch die Distanz zwischen Jäger und Gejagten nicht immer transportiert wird.
Zudem verharrt die Jagd im letzten Drittel zwischen zwei Plateaus, wodurch Spannungsmomente durchs Klettern wegfallen. Jedoch sorgen weitere Aspekte wie der Verlust von Proviant oder das Auftauchen von Schlangen für Abwechslung.
Während die bösen Wichte eher durchschnittlich daherkommen und ihre Darsteller genauso performen, gelingt es Ashworth Sympathie für ihre Figur einzuheimsen, zumal sie die meiste Zeit schweigt und sich kleine Taktiken überlegt, um ihre Gegner zu täuschen. Das Klettern nimmt man ihr genauso ab wie das Frösteln in schwindelerregender Höhe, wodurch sich die Strapazen des Überlebenskampfes durchaus übertragen. Zwar hält sich der Score eher zurück, doch die Sounduntermalung kommt dem mit einigen effektiven Einlagen definitiv entgegen.
Leider schüttelt das Skript kein As aus dem Ärmel und bleibt überraschungsfrei, um nicht zu sagen weitgehend vorhersehbar. Dennoch gelingt es innerhalb der knackigen 86 Minuten über weite Teile Suspense zu erzeugen und die Szenerie mit genügend Abwechslung auszustatten, wodurch die Hängepartie auf dramaturgischer Ebene nicht zu einer solchen wird.
6 von 10