Review

*** SPOILERWARNUNG ***


2050 sieht es nicht so toll aus, aber immerhin gibt es Zeitreisen. Dies nutzt Adam Reed (Ryan Reynolds), um in die Vergangenheit zu reisen und was in Ordnung zu bringen. Er landet im Jahr 2022 und trifft seine jüngere Version (Walker Scobell), welchs flugs für die Mission eingespannt wird.

Ich fange mit dem Positiven an. Zeitreisefilme gehen eigentlich immer. Ich mag das Thema inklusive ihrer Paradoxa, weil sie einfach fantasievolle Spielereien ermöglichen oder spannende Plottwists. „The Adam Project“ bietet allerdings nichts davon, sondern ist einfach nur die neue prominent besetzte Stangenware von Netflix. Von denen taucht immer wieder mal eine auf, da locken dann große Namen in generischen Geschichten. Man folgt der Geschichte mit ihren brav konstruierten Wegpunkten, überraschungsfrei und berechnend. Und das nach zehn Jahren, da schon 2012 eine Verfilmung des Drehbuchs angekündigt wurde. 2020 schnappte sich dann Netflix das Projekt.
Stellenweise blitzt da sogar mal Emotionalität und Witz durch, wie in der Szene in der Bar mit Adams Mutter. Doch es bleibt bei Ausnahmen. Gleiches gilt für die über allem dräuende Zukunft, von der man so gut wie nichts mitbekommt. Hätte man sich mehr auf den Dramateil konzentriert, wäre das vielleicht ein besserer Film geworden. Denn das Drehbuch interessiert sich ebenso wenig für den SciFi-Teil, noch für das Ausstaffieren der Hintergründe.

Aber ich wollte ja noch positiv bleiben. Und optisch sieht der Film auch nicht schlecht aus. Wobei natürlich viel mit CGI realisiert wurde und diese Künstlichkeit sich durch den ganzen Film zieht. Dazu ein paar Actionsequenzen, in der gesichtslose Minions vertrimmt werden oder bei denen man szenenweise an andere Filme erinnert wird. Generell beschlich mich dieses Gefühl immer wieder mal.

Ach, positiv. Ok. Im Ensemble bekommt man den inzwischen gefühlt überall auftauchenden Ryan Reynolds, der aber zugegebenermaßen etwas gebremst spielt. Und das meine ich positiv. Weiterhin Jennifer Garner als seine Mutter, Mark Ruffalo als Vater und Walker Scobell als sein jüngeres Ich. Die Szenen zwischen den Adams funktionieren gut, ansonsten spielt Reynolds das überwiegend im Standardmodus runter. Dazu gesellen sich noch Zoe Saldana und Catherine Keener. Stört zumindest nicht.
Was allerdings stört, ist ein belehrender und jeder emotionalen Situation gewachsener Zwölfjähriger. Dermaßen abgeklärt, dass es im Verlauf des Films immer lächerlicher wirkt.
Und was sagt ein Vater, wenn der Sohn ihm nahelegt, sich das mit dem Tod nochmal zu überlegen? Weil er ihn braucht und Trauma und überhaupt? Nee, Junge, lass lieber noch ein paar Bälle werfen. Da will der Film bestimmte Knöpfe drücken, ist aber schon längst in dieser generischen Welt versunken, die er konstruiert hat.

Das soll keine Tirade gegen Streamingdienste sein – ohne diese wären viele Projekte nicht mehr zu realisieren. Auch richtig gute. Aber „The Adam Project“ steht stellvertretend für den konstruierten Hochglanzquatsch, der mit bekannten Namen und einigem Wumms einen Blockbuster simulieren soll, um seine Beliebigkeit zu verschleiern.

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