Review

Teddy (Kevin Hart) hat eine ebenso große Klappe wie sein Geldbeutel ständig leer ist - derzeit versucht er, mit selbstgedrehten Filmchen über Fitness-Accessoires ein wenig Geld zu machen, scheitert dabei aber kläglich. Weil seine Frau Lori bald Geburtstag hat, mietet er eine romantische Hütte irgendwo in der Wildnis, zuvor aber will er mit einer neuen Geschäftsidee (Boxen ohne Berührung) noch groß rauskommen - doch sein Partner, ein Boxstudiobesitzer, schmeißt ihn stattdessen raus.
Gleichzeitig macht sich anderenorts ein dunkel gekleideter dezenter Auftragskiller auf den Weg zu einem Verhör - dem titelgebenden Mann aus Toronto (Woody Harrelson) eilt der sagenhafte Ruf voraus, jeden redeunwilligen Menschen im Handumdrehen zu einem Singvogel zu machen. Gerade liefert er eine Kostprobe seines Könnens, das im Großen und Ganzen aus der Geschichte seines Großvaters besteht, der ihn als 5-jährigen mit auf einen zugefrorenen See genommen hat und dort von einem Bären zerfleischt wurde. Diese ruhig vorgetragene Story, während er seine Messer wetzt, überzeugt auch hartnäckig verschwiegene Leute, und im Nu plaudern die ihr Geheimnis aus (hier ist es eine Safe-Kombination) und Der Mann aus Toronto zieht zufrieden von dannen.
Wie finden nun diese vollkommen konträren Charaktäre zueinander? Ganz einfach: der ewig quasselnde Loser verwechselt die Hausnummer seiner Mietwohnung im Grünen (der Toner auf der ausgedruckten Einladung war leer, wie lustig) und landet prompt in einer anderen Hütte, wo gerade der Mann aus Toronto erwartet wird: statt diesem muß Teddy nun gezwungenermaßen und frei improvisierend dessen Part übernehmen, was ihm wider Erwarten sogar gelingt (ja, Sachen gibts...).
Doch der großgewachsene Killer, dem auch die Polizei auf den Fersen ist und der kurz danach eintrifft, will diese Verwechslung nicht so einfach auf sich beruhen lassen, zumal er eine Falle dahinter vermutet: Kurzerhand kidnappt er Teddy und zwingt den erfolglosen Hometrainer, ihn zum nächsten Auftrag zu begleiten - eine Odyssee voller Verwechslungen beginnt, in der das anfangs ungleiche Duo sich langsam aber sicher ergänzt...

Wem diese Einleitung schon langweilig und bemüht vorkommt, wird auch in der restlichen Komödie nichts Besseres finden: höchst generische Actionsequenzen wechseln sich mit abgestandenen Wortwitzen ab, das Team wider Willen findet nie wirklich zueinander und auch später, als sie dann tatsächlich als Duo arbeiten, geschieht dies nicht aus einer zwingenden Logik heraus, sondern nur, weil der Killer eigentlich gar keine Lust mehr hat, ein Killer zu sein. Gähn!

Das möchtegern-lustige Geplapper von Hart, der mit voller Seele einen Versager spielt und als solcher auch unbedingt wahrgenommen werden will, geht einem schon nach kurzer Zeit schwer auf den Geist, während man dem planvoll und dennoch immer mit einem Augenzwinkern vorgehenden Harrelson zumindest eine zeitlang zuschauen kann - als Ersatz für den ursprünglich geplanten Jason Statham macht er seine Sache wenigstens zufriedenstellend.
Leider kann dies auf Dauer nicht über das schwache Drehbuch hinwegtäuschen, in dem Teddy auch mit Billigung des FBI den Killer spielt und als Lockvogel dient, während der echte Mann aus Toronto beobachtet und im rechten Moment zur Stelle ist. Denn da taucht mit dem "Mann aus Miami" auch noch ein Konkurrent auf, der auf das Salär scharf ist und Harrelson erkennt den Wert seines Stellvertreters.

Der Zuschauer dagegen kann den Wert(?) dieses miserablen Drehbuchs kaum mehr ausmachen, wenn irgendwann ein FBI-Agent mit Teddys Frau tanzt (weil sie Geburtstag hat) und eine in einer Torte versteckte Bombe auf der Party eines Botschafters explodieren soll (hä?). Ohne irgendwelche Erklärungen reihen sich Bud-Spencer-artige Kloppereien und (für ein Millionen-Budget) erstaunlich miese CGI-Effekte aneinander, während Teddy halblustige Weisheiten wie "Hey, du hast mir in den Arsch geschossen" äußert und ansonsten wie ein verhinderter Stand-up-Comedian agiert.
Fazit: Der Mann aus Toronto bietet statt erwartbarer seichter Unterhaltung tausendmal gehörte fade Witzchen, streckenweise auch schlichte Peinlichkeiten, in der Hauptsache jedoch Einfallslosigkeit und wirkt mit zunehmender Lauflänge immer einschläfernder. Die Netflix-Produktion kann man neben diversen häuslichen Tätigkeiten nebenbei laufen lassen oder sich (am besten) gleich ganz sparen: 2 Punkte.

Details
Ähnliche Filme