Derzeit letzter Mann für die auch im Kino zur Auswertung geplanten Actionthriller im Mid-Price-Segment und die letzten Jahre sowieso verlässlichste Stütze in der Hinsicht, hat sich Liam Neeson (bzw. seine Produzenten) mit seinen letzten beiden Arbeiten Blacklight und eben auch Memory trotz oder auch wegen der Konstante in der filmischen Herangehensweise und der Qualität finanziell in die Nesseln gesetzt. Beide Werke haben anders als zuvor bspw. Honest Thief oder Marksman nicht die Zuschauer erreicht, die die zwar geringer budgetierten, aber immer noch mit mindestens 30 Mio. USD veranschlagten Filme für die Gewinnzone gebraucht hätten, sind also als Flops und dann auch noch hintereinander zu werten. Zum Glück für das geneigte Publikum sind die Finanzberichte relativ egal, hat Neeson aufgrund des nun doch erhöhten Alters sowieso ein begrenztes Haltbarkeitsdatum für die Sorte Actionthriller und gut fünf weitere Projekte bereits in der Mache; für Nachschub ist demnach in naher Zukunft erstmal gesorgt, und Bedarfserfüllung möglich:
Der körperlich noch rüstige, aber altersmäßig betagte Auftragskiller Alex Lewis [ Liam Neeson ] möchte sich gerne zur Ruhe setzen und ist des Tötens müde, bekommt aber von seinem Mittelsmann Mauricio [ Lee Boardman ] einen weiteren Dienst zugeschanzt, welcher in zurück an seinen Kindheitsort nach El Paso, Texas führt. Dort soll er einen gut situierten Immobilienhändler erledigen, und die 13-jährige Mexikanerin Beatriz Leon [ Mia Sanchez ], die nach dem Tod des Vaters gerade einen Platz in einer Pflegeunterkunft gefunden hat. Den ersten Auftrag erledigt Lewis, bei dem Kind zögert er und gibt diese Weigerung auch seinen Auftraggebern, einem Kinderprostitutionsring kund, zudem kümmert er sich eigenhändig um die Hintermänner des kriminellen Syndikates; was die Aufmerksamkeit des in dem Fall auch ermittelnden FBI Agenten Vincent Serra [ Guy Pearce ], sowie seiner Kollegen Linda Amisted [ Taj Atwal ] und des aus Mexiko abgestellten Hugo Marquez [ Harold Torres ] und eine Spirale der Gewalt auslöst. Als Lewis, der zunehmend mit einer auch altersmäßig, aber zusätzlich familiär bedingten Frühform von Alzheimer zu kämpfen hat, mit der schwerreichen und vermeintlich philanthropischen Geschäftsfrau Davana Sealman [ Monica Bellucci ] die eigentlich Zuständige für die Missetaten ausmacht, gerät er auch in das Visier von Serras Vorgesetzten Gerald Nussbaum [ Ray Fearon ], der die bisherigen Ermittlungen eher bremst als fördert, und von Detective Danny Mora [ Ray Stevenson ].
Der Mordauftrag ist perfekt und wie geplant abgelaufen, Ankunft kurz vor dem Opfer, das Verschwinden in der Masse, die Tarnung dem Terrain angepasst, den Ablauf vorher mehrfach gesichtet und studiert, die Tat selber ohne Chance auf Gegenwehr und heimtückisch und grob in Überraschung ausgeübt. Die einzige Möglichkeit des Scheiterns liegt auch in der einzigen Schwäche, in etwas, dass man schlecht beeinflussen kann, dem Älterwerden und dem nachlassenden Gedächtnis. Geist und Körper in den jungen Jahren wachsend und in den Fähigkeiten steigernd, auch trainierbar, später dann defizitär und sowieso nie und nicht immer auf dem gleichen Stand. Der Mordauftrag wird erfüllt und hat einen Toten zur Folge. Eine FBI-Razzia wegen illegaler Prostitution Minderjähriger endet ebenfalls mit einem Toten; ungeplant, Zufälle des Lebens, Unglücksfälle des Schicksals, mäßige Vorbereitung, kleinere Details, die nicht beachtet wurden, mit Gewalt und Verderben startet der Film. Killer und Cop, Verbrechen und Investigation, das Ausüben von und das Verhindern und Bestrafen wollen von Kriminalität, darum dreht sich die Handlung im Kurzen, wandern tut sie, von Guadalajara über El Paso nach Mexico City, mit Blessuren auf der Haut und Rissen in der Seele.
"Life is good now. It's calmer. More money, less blood." heißt es zu Beginn noch, da kennt man den Fortgang und die Folgen des eigenen Tuns und Lassens noch nicht; überschneiden sich doch bald die Ereignisse, was eine Welle des Kampfes grundsätzlich verschiedener Seiten, aber mit gleichen Mitteln und Methoden auslöst. Dabei läuft im Film selber schnell nichts mehr wie geplant, vom Film selber umso mehr, die Inszenierung ist ruhig – der Vorlauf allein nimmt ein gutes Drittel in Anspruch –, nicht ausschweifend, die fotografierten Bilder eingängig, das Tempo sorgfältig, vom Gefühl her wie eine schon oder bald aussterbende Gattung, der altmodische Actionthriller, oder das Thrillerdrama mit Aktionsszenen, mit unterstützenden Darstellern, die alle für sich auch schon einmal die Hauptrolle hatten, aber allein für sich nicht mehr ein Projekt stemmen können und gerade wie Winstone und Pearce eigentlich überall und nirgends zu sehen sind. Nach oben auf der Leiter geht es für keinen mehr, für die Figuren auf der Leinwand nicht, man hangelt sich von Auftrag zu Auftrag, meistens ist man der Tätigkeit auch müde und überdrüssig, wird ein Job und wird dieser auch gut gemacht, aber ist dies und dies auch analog zu den sie verkörpernden Schauspielern und dem verantwortlichen Regisseur mehr die Pflicht als die Kür. Eine weiter anhaltende Verlässlichkeit, die immer gut zu etwas war, aber dann doch nicht mehr ausreicht; und ab und an auch Albträumen ausweicht.
Möglicherweise hat das 'more of the same' die bisherigen Interessenten abgehalten, hierzu die Kinokarte zu lösen, das Skript erinnert in Set und Setting zuweilen stark an gerade die letzten Arbeiten von Neeson, die Sprache von Regisseur Martin Campbell, ein Handwerker, ist denen der Newcomer Robert Lorenz und Mark Williams ähnlich, die Ausgangslage seiner Figur, die eines Kriminellen, der nicht von vornherein schlecht ist, aber durchaus schlechtes tut oder tat, und nun die Hilfe eines Gesetzeshüters sucht und braucht und wo jeder den anderen benötigt ist ebenso übereinstimmend ("a hitter cleaning up some shit"); vieles am Drehbuch wirkt aus entsprechenden Versatzstücken zusammengehauen, oder wie von mehreren Autoren mit einem Ziel, oder von einem Autor zu verschiedenen Zeiten verfasst, ist aber eine Adaption und Umformung und auf einen Originaltext und speziell "De zaak Alzheimer", 1985 von Jef Geeraerts veröffentlicht basierend. Ein Schriftstück aus mehreren Quellen, eine Verknüpfung von vieles mit vielem, in erster Linie ein Parallelgeschehen, wo auch Beruf durch Privat unterbrochen wird oder der Beruf das Leben gleich übernommen hat und man eine Funktion und dies als Mensch darstellt. Ein grenzüberschreitender Polizeifilm, mit sparsamen, aber effizienten Actionszenen, ein Fenstersturz auf ein darunter stehendes Auto, die kurze Beseitigung eines betrunkenen Störenfriedes an der Bar, gespielt im Cameo nur von Louis Mandylor, ein Schalldämpferduell im Parkhaus, was letztlich im ruppigen Nahkampf geklärt wird, ein Scharmützel am Yachthafen, das Eindringen in ein schwer bewaffnetes 'Safe House', das versuchte Ausbrechen aus einem polizeibewachten Hospital etc. Ein allgemein und ein speziell gefährliches Terrain ("Swear to God, it's getting more like Afghanistan every day."), ein Psychogramm, eine Krankheitsgeschichte und der Umgang damit, ein amerikanischer Genrefilm, bereits 2003 spielfilmlang als belgisch-niederländisches Mörder ohne Erinnerung und dies als Bestandteil von Tatort Antwerpen - Vincke und Verstuyft ermitteln verfilmt.
Unabhängig von der filmischen Vorlage – die sich direkt an die Geschehnisse um Dutroux und damit auch stark realpolitisch und somit relevanter anlehnten – sind die Geschehnisse hier ebenso durchgängig bedeutsam, ein selbiges Anrennen gegen Korruption und bürokratischen Windmühlen, wenn auch deutlich fiktionalisiert und damit konventionalisiert und konventionsdosiert. Die Stärken sind vor allem in einer Vielzahl wichtiger Personen und deren Verstrickungen untereinander und miteinander; ebenso die entscheidende und wirksame Konzentration darauf, die Schwächen der Blick auf die verantwortliche Oberschicht, gerade die Ereignisse um Monica Bellucci, die hier mitsamt ihrem kompletten Umfeld auch seltsam fehl am Platze und wie aus einem anderem, einem dann wirklich schlechten Film wirkt.