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Der belgische Thriller „Totgemacht – The Alzheimer Case“ von 2003 thematisierte die fiesen Machenschaften rund um einen Kinderpornoring, was zwangsläufig und aufgrund einiger schonungsloser Fakten an die Nieren ging. Zwar lässt sich ein derartiges Thema nicht weichspülen, jedoch oberflächlich abhandeln, wie das US-Remake von Regisseur Martin Campbell („Casino Royale“).

Der alternde Profikiller Alex (Liam Neeson) leidet unter den ersten Symptomen einer Alzheimer-Demenz und will seinen Job an den Nagel hängen. Für einen Doppelauftrag lässt er sich ein letztes Mal ködern. Als es sich bei dem zweiten Opfer um eine Minderjährige handelt, die im Auftrag eines weitreichenden Kartells eliminiert werden soll, dreht Alex den Spieß um und rächt sich an all jenen, die der Organisation angehören…

Neeson-Action ist seit „96 Hours“ eigentlich ein eigenständiges Subgenre. Doch der mittlerweile 70jährige Ire kann halt nicht ewig den eiskalten Helden mit zielgenauer Waffe, knallharten Fäusten und stetiger Kontenance geben. Insofern ist die Figur des an Gedächtnislücken leidenden Killers eine leicht ambivalente Figur, die im Verlauf eine weitgehend glaubwürdige Entwicklung durchmacht.

Leider ist die Action insgesamt eher rar gesät und es ist schon ein Lichtblick, wenn Alex in einer Bar einen Rüpel gegenüber einer Dame auf seine Art zurecht weist. Hier und da gibt es ein paar kurze, knackige Gewalteinlagen, mehrheitlich wird auf den Gebrauch von Schusswaffen gesetzt, doch bis auf ein explodierendes Auto werden nicht allzu viele Schauwerte aufgefahren.

Der Mangel an Temposzenen macht sich direkt nach der gelungenen Exposition bemerkbar, als Alex in einem Hospital seinem Job nachgeht, während Cop Serra (Guy Pearce) bei einer Undercover Aktion in eine eskalierende Situation gebracht wird. Daneben wird etwas zuviel taktiert, es gibt eine Reihe nicht wirklich wichtiger Szenen (Arzt der Drahtzieherin), jedoch auch einige ausladende Momente, die voll und ganz auf Neeson zugeschnitten sind und wenn es nur um die unkonventionelle Behandlung einer Schusswunde geht.

Wie gewohnt punktet Neeson mit einiger Präsenz und primär in der zweiten Hälfte offenbart er die zunehmenden Schwächen seiner Figur überaus glaubhaft. Demgegenüber holt Guy Pearce noch recht viel aus der schablonenhaft gezeichneten Figur des Cops heraus, wobei ihm die markante Verpackung im 70er-Look durchaus zugute kommt. Völlig vergeudet ist indes Monica Bellucci als Diva und Strippenzieherin, die als primäre Antagonistin viel zu passiv ins Licht gerückt wird.

Eine kleine Hatz auf einer dekadenten Yachtfeier und aufgescheuchte Tauben in einer vermeintlich verlassenen Bäckerei unterstreichen das handwerkliche Geschick von Regisseur Campbell, dessen Geschichte hingegen in den meisten Belangen vorhersehbar abläuft und nur selten Hochspannung zutage fördert. Entsprechend bleibt sein Remake eher ein wenig seelenlos, jedoch nicht frei von einem annehmbaren Unterhaltungswert, was einmal mehr auf das Mitwirken von Neeson zurückzuführen ist.
6 von 10

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