Review

Nach wirklich guten Genre-Klassikern wie "Dracula" und "Plague of the Zombies", mit welchen sich die Hammer-Studios bereits in den 50er und 60er Jahren als Nummer 1 des Grusel-Genres etablierten, gelang ihnen mit "Das Grab der blutigen Mumie" ein guter Beitrag zum "Mumien"-Genre, auch wenn in diesem Sinne keine in Mull eingewickelte Leiche im Laufe der Handlung vorkommt.

Die Stärke von Hammer war seit jeher die Fähigkeit, eine wirklich düstere und gruselige Atmosphäre aufzubauen und erst nach und nach auf plakative Effekte wie Sex und Gore zu setzen. Vorliegender Streifen markierte dann auch die endgültige Wende des Einsatzes dieser ziemlich holzhammermäßigen Stilmittel des "neuen" Horrorfilms der 70er Jahre.

Der Archäologe Fuchs schenkt seiner Tochter Margaret zu ihrem Geburtstag einen kostbaren Ring, welchen er seinerzeit von einer Expedition/Grabstättenöffnung der bösen ägyptischen Königin Tera erbeutet hat.
Mit diesem Geschenk nimmt ein Unheil seinen Lauf, welches die ehemaligen Teilnehmer der vergangenen Graböffnung ebenso heimsucht wie die liebliche Margaret, die in genau diesem Zeitpunkt geboren wurde, als ihr Vater eben jenes Grab entdeckt hat. Es läuft alles auf die Rückführung der Seele der teuflischen Tera mit ihrem Körper, welcher die Zeit unbeschadet überdauerte, hinaus...

Die Story basiert sehr werkgetreu auf der klassischen Bram Stoker Geschichte "The jewel of the seven stars" und bietet daher einmal etwas anderes als aus unerfüllter Liebe wiedererweckte Pharaonenpriester, die den Expeditionsteilnehmern im "Zehn-kleine-Negerlein-Prinzip" den Garaus machen.
Vielmehr geht es hier um die Geschichte des puren Bösen, verbunden mit Besessenheit und einer kriminaltechnischen Handlung.
Dieses wird eingebettet in eine detailgetreue 70er Jahre-Umgebung Londons und ist herrlich ausstaffiert. Die Sets und Requisiten sind hervorragend stimmig und ihre eigentliche Begrenzung fällt überhaupt nicht auf.
Clevere Kameratricks wie zum Beispiel in der Irrenanstalt unterstützen die gruselige Atmosphäre sehr gut und es kommt wirkliche Hammer-Horror-Stimmung auf. Ich schreibe Horror, denn mit den Grusel-Epigonen der 60er hat dieser Film in meinen Augen nicht mehr viel gemein.

Zwar werden Nacktszenen wesentlich weniger in den Vordergrund gerückt als noch in Jimmy Sangsters "Lust for a vampire" und auch die wirklich grausigen frühen Gore-Effekte wie aufgekratzte Kehlen wirken nicht deplaziert - trotzdem hat "Das Grab der blutigen Mumie" den Charme einer freizügigen Beatnik-Produktion.

Aber wir sind in den 70ern in London - wer also könnte das übelnehmen, wenn etwas so Gutes dabei herauskommt.
Die Darsteller verdienen allesamt ihre Lorbeeren, besonders bemerkenswert finde ich die locker-rotzige Darstellung von Mark Edwards als Todd Browning (...und sogar Hammer referiert gelegentlich).
Valerie Leon füllt die Doppelrolle als Margaret/Tera allerdings in meinen Augen nicht ideal aus - gepushte Brüste und lustvoll geschwungene besessene Augenaufschläge machen eben noch keine gute Hauptrolle aus! Hier hätte Handlungsbedarf bestanden.

Ansonsten bescheinige ich auch im Einheitsbrei der wüsten 70er Horrorabenteuer den Hammer-Studios einen sehr guten Platz in der britisch-filmischen Historie und wer sich einmal wieder einen guten Horror-Grusler mit viel Atmosphäre in sorgfältiger Inszenierung anschauen möchte, dem sei zu "Das Grab der Blutigen Mumie" geraten - einer wesentlich besseren Umsetzung der Bram Stoker - Geschichte wird man so schnell nicht begegnen!

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