Es birgt ein nicht unerhebliches Risiko, bei der Vermarktung eines Films mit großen Namen zu jonglieren. Und wer Alfred Hitchcock in dir Runde wirft, schürt die Erwartungshaltung natürlich ins Unermessliche. Immerhin kann man sich früh von der Erwartung eines klassischen Home Invasion lösen.
Ein namenloser Dieb (Jason Segel) bricht in die Landvilla eines steinreichen IT-Unternehmers (Jesse Plemons) ein, als der Besitzer und seine Frau (Lily Collins) unerwartet zwecks Kurzurlaubs eintreffen. Der überforderte Einbrecher sieht sich gezwungen, das Paar als Geisel zu nehmen…
Dass sich Regisseur Charlie McDowell Zeit lässt, offenbaren bereits die ersten Minuten, in denen mit aller Seelenruhe zur Tat geschritten wird. Ein gemütlicher Gang über die Orangenplantage, hier und dort werden Kleinigkeiten inspiziert und fürs Urinieren ist auch noch Zeit. Erst nach sieben Minuten finden erste Dialoge statt, doch das Paar, welches sich hinsichtlich einer vorgehaltenen Pistole eigentlich kleinlaut und unterwürfig verhalten sollte, zeigt sich auffällig verhandlungsbereit und in Diskussionslaune.
Die Sympathien scheinen anfangs klar verteilt, denn obgleich der Kleinganove logischerweise Gesetze bricht, ist das arrogante Verhalten des Moguls ein klarer Gegenpol, wodurch sich auch eine Art Gesellschaftskampf entwickelt. Ein wenig dazwischen steht die Ehefrau, was im Verlauf einige Rückschlüsse auf die Ehe schließen lässt, während sich ein Schlüsselmoment während des nächtlichen Aufenthalts am Lagerfeuer ergibt.
Obgleich sich ein latentes Misstrauen breit macht, gibt es in regelmäßigen Abständen zynische Humoreinlagen, etwa beim Verhandeln über die potenzielle Beute oder beim Belehren, wie man denn am besten mit einer Schusswaffe umgehen sollte. Zwar kommen nicht alle Dialoge zielsicher und zuweilen gibt man sich einigen Klischees hin, doch die drei versierten Mimen verfügen über ein ausgezeichnetes Timing, während ihr insgesamt zurückhaltendes Spiel deutlich auf der Habenseite zu verbuchen ist.
Das Treiben schiebt eine weitgehend ruhige Kugel, denn mit Action oder einer Spirale der Eskalation hat es wenig am Hut. Dadurch mangelt es jedoch hin und wieder an Spannungsschüben, denn erst im finalen Akt kommt auch ein wenig körperliche Bewegung hinzu. Der Schluss fällt hingegen diskussionswürdig aus, ob einiger auf den ersten Blick irrational erscheinender Handlungen.
Handwerklich arbeitet McDowell sauber, brillante Momente wie der Schnitt vom Augenpaar auf zwei Vögel sind jedoch eher selten und auch der ambitionierte Score, der ein wenig an Hitchcocks Stammkomponist Bernard Hermann erinnert, ist zuweilen ein wenig drüber.
Dennoch ein interessanter, oftmals kammerspielartig anmutender Thriller, der locker von den drei stark aufspielenden Mimen getragen wird.
Knapp
7 von 10